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Musikalisch eindrucksvoll „Spuren“ folgen

Musikalisch eindrucksvoll „Spuren“ folgen

Der Nachwuchs der Musikschule St. Ingbert zeigte in einem Konzert, wie vielfältig man das Thema auslegen und gestalten kann.

Am Sonntag gaben Lehrer und Schüler der Musikschule ihr "Großes Konzert" in der Stadthalle St. Ingbert. Eigentlich sei es gar kein "wirkliches Konzert", denn da solch ein Auftritt Teil der Ausbildung sei, "ist es eher eine Übung für ein Konzert", wie Hermann Müller als Teil des Leitungstrios der Musikschule sagte. "Ich kann mich nicht erinnern, dass der Saal bei einem Konzert der Musikschule schon einmal so voll war", so Oberbürgermeister Hans Wagner bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste. "Die rund 160 Akteure auf der Bühne zeigen heute, was sie an Musiktalent weiterentwickelt haben." Und an die Musiker gerichtet sagte er: "Das Wichtigste ist aber, dass man dabei Spaß hat. Das scheint so zu sein, denn ihr seid hier, obwohl draußen so tolles Wetter ist. Haut rein, Mädels und Jungs." Diesmal stand die Aufführung unter dem Motto "Spuren", das man, wie die jungen Musiker bewiesen, sehr vielfältig auslegen kann. So hat auch der Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester von Schostakowitsch in der Musikgeschichte seine Spuren hinterlassen, auch wenn er vielen wohl mehr als Krimi-Titelmelodie bekannt sein dürfte. Nach dem Projekt-Sinfonieorchester zeigten die Jüngsten, die erste musikalische Gehversuche in der "Elementaren Musikpraxis" machen, was sie schon gelernt haben. Bei "Spuren im Sand" wurden die Tiere, deren Fährten auf Papier aufgemalt vor der Bühne gezeigt wurden, mit Musik, Gestik, Utensilien wie Hasenohren, Wildschweinköpfen oder Fuchsgesichtern und vollem körperlichem Einsatz dargestellt. Schön umgesetzt wurde auch die "Osterhasenklanggeschichte", bei der die kleinen Musikschul-Osterhasen versuchten, Eier musikalisch mit hellen und dunklen Tönen einzufärben. Und wie ein richtiges Osternest erst durch das Vorhandensein aller Farben richtig lebendig wird, so wird erst bei der Harmonie aller Klangfarben eine Musik daraus. So zumindest könnte die Botschaft der kleinen Geschichte lauten. Auf "Spurensicherung" waren die Schlagzeug-Gruppe und der Gitarrenkurs zeigte mit verschiedenen Stücken nicht nur die Vielfalt des Instruments, sondern mit "Dat du min Leevsten büst" auch, dass es sich lohnt, alten (niederdeutschen) Spuren zu folgen. Denn ein kleiner Zuhörer, der den Text nicht übersetzen konnte, fand die Melodie schön. Und so mutet etwas, das früher Schulstoff war, manchem schon recht exotisch an. Auch das Blockflötenensemble überzeugte mit seiner Klangvielfalt. Bedauerlich fanden die Zuhörer lediglich, dass man die "kleinen, großen, jungen und junggebliebenen Musiker", wie es in der Moderation hieß, zwar hinter der Orchesterbestuhlung vermuten, aber schlecht sehen konnte. Dabei hatten sie auch Flöten dabei, die manch kleiner Musiker im Zuschauerraum gern näher gesehen hätte. Interessant und hörenswert war auch die Darbietung am Klavier. "Für Elise" sei zwar langweilig, wie Moderator Xavier Walter sagte, doch müsse es jeder Pianist mindestens einmal spielen. Dass die 5. Sinfonie von Beethoven mit einem selbst gebauten Röhrenphon, Trommel und Glockenspiel überraschend frisch wirkte, war ein großer Pluspunkt bei dem Konzert, bei dem nichts vorhersehbar war. Lambada vom Akkordeon, Musik über indianische Spurenleser vom Großen Orchester und Reinhard Meys "Über den Wolken" sowie die "Vier Jahreszeiten", mal nach Vivaldi mal nach Piazzolla, bescherten einen mehr als zweieinhalbstündigen Hörgenuss, der bei vielen Musikern und Gästen seine Spuren hinterlassen wird.