Müllsammlung : Wanderer sammeln Unrat am Wegesrand

Arno Meyer befreit beim Wandern die Natur von Müll. Eine „feine Sache“, fand auch Sandra Woll, als sie davon hörte. Sie taten sich zusammen und organisierten nun in St. Ingbert erstmals eine „Müllwanderung“ für jedermann.

Arno Meyer fällt in St. Ingbert auf, wenn er mit Mülltüte und Greifer in seiner Mittagspause all das aufsammelt, was andere achtlos wegwerfen (wir berichteten). Dabei ist der SAP-Mitarbeiter gar nicht allein mit seinem Umweltbewusstsein, wie er nach Erscheinen des Artikels festgestellt hat. Denn daraufhin meldete sich Sandra Woll bei ihm und schlug eine „konzertierte“ Aktion vor. Gemeinsam riefen sie die St. Ingberter zur sonntäglichen „Müllwanderung“ auf.

Meyer und Woll, die sich neben ihrer Tätigkeit als Heilpraktikerin ehrenamtlich im Biosphärenreservat Bliesgau engagiert, waren freudig überrascht, wie viele ihrem Aufruf folgten. Im Vorfeld hatten die beiden Initiatoren einige Strecken ausgesucht, die alle am Stiefel endeten. So war der einprägsame wie treffende Name für die Aktion schnell gefunden: „Stiefel putzen – Sauber machen in Wandersachen“. Obwohl die Müllwanderung privat organisiert war, beteiligte sich der Baubetriebshof mit der Bereitstellung von blauen Mülltüten und -greifern gern an der Initiative. Gemeinsam wurden Sammelpunkte festgelegt, an denen die Wanderer ihre gefüllten Abfallsäcke ablegen konnten, wo sie dann von städtischen Mitarbeitern Anfang der Woche eingesammelt wurden. Am Ausgangspunkt der Tour, dem Bahnhof, füllte sich gegen 13.30 Uhr der Vorplatz mit Menschen jeden Alters, auch Kinder und Hunde waren mit von der Partie, die gemeinsam die Landschaft von Unrat befreien wollten.

Nicht alle der mehr als 100 „Liker“ des Facebook-Aufrufs waren Teil der Müllsammel-Mannschaft, aber mit knapp 40 Interessierten waren mehr gekommen, als sich die Ideengeber hätten vorstellen können. „Wir hätten uns schon über 15 Leute gefreut“, sagte Arno Meyer sichtlich angetan vom großen Zuspruch. Mit dabei waren unter anderem St. Ingberter, die ihm beim mittäglichen Rundgang mit den Müllsammelutensilien gesehen, gefragt und ihre Mithilfe zugesagt hatten. Aber auch Kollegen. Oder solche Mitstreiter wie der ehemalige Leistungssportler Volker Wieland, der den Konsum aufs Notwendigste beschränkt, barfuß und mit dem Lastenrad zum Treffpunkt kam. Er engagiert sich vielfältig, so beispielsweise für Menschen mit Depressionen, ist aktiv im Food Sharing und fühlt sich generell von Aktionen angesprochen, in denen etwas für die Natur und die Umwelt getan wird. Sein Wirken für Vieles, für das den Menschen das Bewusstsein abhanden zu kommen droht, umreißt er mit dem Satz „Ich schenke einfach Zeit“. Aktuell ein hohes Gut, wie der drahtige Mann vermittelt.

Zu Beginn am Bahnhofsvorplatz waren es vor allem Zigarettenkippen, die den Boden der großen Säcke nur langsam füllten. Im Stadtgebiet wanderte vergleichsweise wenig in die blauen Säcke. Generell fanden die „Müllwanderer“, dass St. Ingbert eine vergleichsweise saubere Stadt ist. Außer einer Tüte mit Windeln gab es keine „Umweltsauerei“, um die sich die Wanderer kümmern mussten. Und gerade weil die Straßen und Wege der Stadt mehr oder weniger frei von „illegalem“ Müll und größeren Abfällen waren, fiel einer Teilnehmerin der zentrale Sammelplatz der gelben Säcke am Hochhaus hinter dem „Regina-Haus“ ins Auge, an dem sich noch Reste von der letzten Abfuhr fanden, die nicht den Weg in das entsorgende Fahrzeug angetreten hatten. Arno Meyers Fazit des vergangenen Sonntagnachmittags fällt trotzdem äußerst positiv aus, denn auch die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Unterstützern war etwas, das die Veranstaltung bei schönstem Wetter zusätzlich getragen und bereichert hat. „Das Gespräch war uns ganz wichtig. Viele Menschen wollten ein Zeichen setzen und selbst etwas tun“, sagte der Müllwanderer aus Illingen.

Die Gruppendynamik tat ihr Übriges. Der meiste Müll wurde zwischen den „letzten“ Häusern der Stadt und dem Waldgebiet eingesammelt, wohl auch, weil die St. Ingberter im eigenen Wohngebiet auf Sauberkeit achten und die Stadt ihre Hausaufgaben macht, so der Eindruck der Teilnehmer. „Natürlich ist so eine Strecke von acht Kilometern nur ein kleiner Beitrag, aber weitere Aktionen werden folgen und so eine große Gruppe, die mit Müllsäcken unterwegs ist, wird gesehen und bewirkt vielleicht etwas“, so Meyers Hoffnung.

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