Müllkonzept treibt Bürger um

Halten es die Bürger für besser, dass eine Stadt die Müllabfuhr selber organisiert? Eine knappe Mehrheit der Befragten einer kleinen Blitzumfrage unserer Zeitung glaubt dies nicht. Deutlich scheint, dass die Teilnehmer den Protest einiger St. Ingberter gegen die Müllgebühren für angemessen halten.

St. Ingbert ist seit Jahresbeginn aus dem EVS (Entsorgungsverband Saar) ausgetreten, den Müll entsorgt jetzt der Abfall-Bewirtschaftungs-Betrieb der Stadt St. Ingbert (ABBS). Der Stadtrat will damit langfristig Kosten sparen. Davon merken die Bürger bisher nichts. Im Gegenteil: Mit dem ersten Gebührenbescheid gab es Erhöhungen, über die sich Bürger ärgern (wir berichteten). Wir wollten in einer Blitzumfrage von unseren Lesern wissen, wie sie zur Müllpolitik in St. Ingbert stehen.

Über 300 Personen haben bei der Umfrage mitgemacht, die natürlich nicht repräsentativ sein kann. Doch gibt sie einige interessante Hinweise.

Mit unserer ersten Frage wollten wir wissen, was die Bürger davon halten, dass eine Stadt die Müllabfuhr selbst organisiert. 31 Prozent hält diese Variante für besser, 55 Prozent nicht. 14 Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.

Unsere zweite Frage lautete: "Glauben Sie, dass jemand, der strikter trennt, am Ende auch weniger Müllgebühren zahlen muss?" Hier antworteten 49 Prozent mit Ja und 48 Prozent mit Nein.

Deutlicher fiel die Antwort auf unsere dritte Frage aus, bei der es darum ging, ob der Protest einiger St. Ingberter gegen die Müllgebühren angemessen sei. 78 Prozent der Befragten waren hier der Meinung, dass dieser Protest angemessen sei, 15 Protest halten das für unangemessen, sieben Prozent antworteten hier mit "Weiß nicht".

Auch konnten die Befragten uns ihre persönliche Meinung zur Abfallentsorgung sagen. Hier wollten wir wissen, ob die Bürger die Müllgebühren zu hoch oder gerechtfertigt finden und ob man von den Bürgern erwarten kann, dass sie selbst zur Kompostieranlage fahren, um Gebühren für die Leerung der Grünen Tonne zu sparen. Die Befragten waren überwiegend der Meinung, dass die Müllgebühren für eine solche Eigenleistung zu hoch seien, es außerdem Geld kosten würde, zur Kompostieranlage zu fahren. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass nicht jeder Bürger ein Auto habe und dass es vor allem für ältere Menschen beschwerlich sei, zur Kompostieranlage zu fahren.

Andere Bürger teilten mit, dass ihr aktueller Gebührenbescheid unwesentlich höher sei als vorher und dass der EVS-Austritt richtig gewesen sei.

Neben pro und contra gab es auch folgende Einschätzungen: Ein Bürger äußerte beispielsweise seine Bedenken, dass er die allgemeine finanzielle Belastung für die Stadt für nicht zumutbar halte. Er sieht die Gefahr, dass viele Biotonnen abbestellt werden und der Müll nicht ordnungsgemäß getrennt wird. Ein anderer Teilnehmer schreibt: "Der Austritt aus dem EVS war richtig. Die derzeitige Gebührensatzung ist jedoch überzogen und sozial unausgewogen. Hier ist Nachbesserungsbedarf." Auch die Politik bekam ihr Fett weg. So schrieben Bürger , dass die aktuelle Müllpolitik für Bürger unzumutbar sei, es wurde von "reiner Parteipolitik und großem Hickhack" geschrieben. Auch hieß es: "In St. Ingbert ist alles chaotisch." Ebenso wurde der Gesundheitsaspekt ins Spiel gebracht: So würden Bürger , die sich gesund ernähren, bestraft, da dort mehr Müll für die grüne Tonne anfallen würde als bei Bürgern, die Fertigprodukte kaufen. Kurz und knapp schrieb ein Teilnehmer: "Das Thema nervt." Ein anderer wies darauf hin, dass hier langfristiges Denken gefragt sei. Beim überwiegenden Teil der Teilnehmer handelte es sich um St. Ingberter.

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