Mozart-Werke neu interpretiert

Wittersheim. Man kennt Wolfgang Amadeus Mozart. Konzerte dieses weltberühmten Komponisten finden meist in großen Konzertsälen oder in Kirchen statt. Und man kennt das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld in Wittersheim. Letzteres wird von Bliesgaufans vor allem wegen seiner idyllischen Lage als Oase in der "saarländischen Toskana" geschätzt

Wittersheim. Man kennt Wolfgang Amadeus Mozart. Konzerte dieses weltberühmten Komponisten finden meist in großen Konzertsälen oder in Kirchen statt. Und man kennt das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld in Wittersheim. Letzteres wird von Bliesgaufans vor allem wegen seiner idyllischen Lage als Oase in der "saarländischen Toskana" geschätzt. Wenn man oben auf dem Berg über Wittersheim Klänge vermutet, dann wohl eher zünftige Blasmusik. Dass dies auch anders geht und man damit trotzdem den Bogen zum österreichischen Musiker schlagen kann, bewies ein ganz und gar nicht alltägliches Konzert am Samstagabend. "Saitenweise Mozart" nannte das Zupforchester 78 St. Ingbert eine Soiree, die gänzlich Mozart gewidmet war.Also doch kein großer Saal und auch keine Kirche. Dennoch war man trotz schönen Wetters aus Klanggründen in den Saal des Hauses ausgewichen. "Wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach. Füreinander spielen sie Mozart", so lautet eine Redensart. Sandra Derschang, die Leiterin des Zupforchesters, konterte mit "Wir sind zwar keine Engel, aber wir lieben Mozart". Dass diese Passion so groß ist, konnte man allenthalben feststellen. Harfe, Hackbrett, Zither und Akkordeon bestimmten an diesem Abend das Bild in der oberen Etage des Hauses Lochfeld. Kam das Eröffnungsstück "Ländler von 1797'' rustikal daher, war das Menuett Nr. 1, KV 315g, etwas mehr barocker. Auch die Quadrille, ein Tanz, kennzeichnet sich naturgemäß durch Schwung und große Lebensfreude. Bei "Andante" spürte man die Eindrücke Mozarts auf seinen Reisen. Bei einem Zupforchester erwartet man nicht zwangsläufig einen Marsch. Bei "Saitenweise Mozart" klang das alles andere als unpassend. Ganz und gar untypisch war der Schluss: Bei "Nachtbild Türkisch-Bayrisch" kam es zur Kombination der kleinen Nachtmusik mit der Zauberflöte und dem Türkischen Marsch. Dieses Medley hatte was. Das war locker, schwungvoll und eben doch Zupfmusik. Alles andere als unmodern, das muss man zwangsläufig zugeben. Der Rohrbacher Günter Weiland, über die Grenzen der Mittelstadt hinaus bekannt für seine große Musikleidenschaft, rezitierte aus Werken und Liedern des großen Meisters. So erfuhren die Konzertbesucher allerlei Wissenswertes über den Komponisten. Und diese Aufgabe übte Weiland vorzüglich aus. "Habe die Ehre", begrüßte er die Anwesenden und führte in das Leben des 1756 in Salzburg geborenen Mannes ein. So habe der Vater Leopold den Sohn "erbarmungslos gemanagt". Auf Reisen, damals weitaus unbequemer als heute, musste das Klavier immer mit in die Postkutsche. 130 Menuette, der Modetanz des 18. Jahrhunderts, schrieb Wolfgang Amadeus. Doch der Mann war nicht so brav und gesittet, wie man glaubt: Unzüchtigkeit und der Gebrauch der Fäkalsprache standen bei ihm permanent an der Tagesordnung. Er starb 1791 mit 35 Jahren beim Komponieren. jma

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