Eisenbahnmuseum: Mit Volldampf durch die Geschichte der Bahn

Eisenbahnmuseum : Mit Volldampf durch die Geschichte der Bahn

Der Museums-Eisenbahn-Club Losheim bietet regelmäßig Fahrten mit einem historischen Dampfzug an und unterhält ein Museum.

„Wie macht der Zug?“, fragt eine Mutter ihr Kind, das gespannt am Gleissteig steht. Sie halten Ausschau nach dem Zug, der gleich um die Ecke kommt, die Kinderaugen fixieren erwartungsvoll den Punkt am Horizont. „Choo Choo“, erwidert das Kind, prompt ertönt das Pfeifen der Dampflok, die sich dem Losheimer Bahnhof nähert, das Gesicht des Kindes hellt sich auf. Es zischt, dampft und pfeift, mühelos gleiten die Räder über die Schienen, die Lok fährt geschmeidig in den Zielbahnhof ein. Zwei Tonnen Kohle und 10 000 Liter Wasser braucht die Dampflok an einem Fahrtag.

Jährlich lockt die Museumsbahn mit ihrem Eisenbahnmuseum über 13 000 Besucher nach Losheim, die alte Dampflok vom Typ Saarberg 34 von 1948 ist zusammen mit den zweiachsigen Personenwagen aus den Jahren 1903 bis 1930 ein wahrer Publikumsmagnet. Auf der alten Strecke der Merzig-Büschfelder-Eisenbahn (MBE) von 1903 rollt die Museumsbahn seit 1982 wieder über die Gleise, dank des Museums-Eisenbahn-Club Losheim (MECL), der die Fahrten auf der verbliebenen Strecke der MBE durchführt.

Im Eisenbahnmuseum, das seit 1994 besteht und mit dem Kulturzentrum Eisenbahnhalle und Museumseisenbahn Teil des Erlebnisbahnhofs Losheims ist, erfahren Besucher mehr über die Entstehung der MBE. So fuhr 1903 in Merzig die letzte Postkutsche der Merzig-Waderner Landpost, die als Personenverkehr von der MBE abgelöst wurde. Die MBE verband das Saartal ab Merzig mit der Staatsbahnstrecke Saarbrücken–Lebach–Nonnweiler am Südwestrand des Hunsrücks.

An zahlreichen Informationstafeln mit Originalbildern lernen die Besucher mehr über den Wandel des Losheimer Bahnhofes, wie das Leben als Eisenbahner damals aussah, und welche Rolle die Bahn im Zweiten Weltkrieg spielte. Auch von dem schweren Zugunglück zwischen Bachem und Losheim von 12. Juli 1920, bei dem der Personenzug in voller Fahrt auf einen Sondergüterzug auffuhr, berichtet das Museum.

Neben Fotos zeigt das Museum viele Dokumente zur Lokomotivkunde und Exponate wie Lampen und alte Winkscheiben aus einem Stellwerk, Uniformen, Schilder, die erste elektrische Rechenmaschine der MBE, Schienenprofile und Stempelpressen zur Entwertung der Fahrtickets sowie einen Empfänger für Morsenachrichten. Eine Schwellenbohrmaschine von 1910 gehört ebenfalls zu den Ausstellungsstücken, gleichfalls einige Stempel.

Auf dem Museumsgelände sind drei Dampfloks, mehrere Dieselloks und zahlreiche Personen- und Gepäckwagen zu sehen. Auch alte Postwaggons und die ehemaligen Werkstätten der MBE sind noch erhalten und dienen dem MECL zur Aufarbeitung der historischen Fahrzeuge.

Ab 1962 ruhte auf der ganzen Strecke der MBE der Personenverkehr. Der Grund dafür war, dass die Bahngesellschaft einen eigenen (Straßen-)Kraftverkehrsbetrieb eröffnet hatte. Fast 20 Jahre später trafen sich sieben Eisenbahnfreunde in Losheim, um den MECL zu gründen. Ziel des Vereins war, eine Modellbahnanlage zu erstellen, die als Vorbild die MBE haben sollte.

Aufgrund von anfänglichen Startschwierigkeiten konzentrierten sich die Vereinsmitglieder zunächst auf die Pflege und Unterhaltung der Gegenstände der MBE, bis nach einigen Verhandlungen mit der MBE ein Nutzungsvertrag über die vorhandene Bahnstrecke abgeschlossen, eine luxemburgische Dampflok nach Losheim überführt und die Strecke für den Personenverkehr überprüft wurden, sodass 1982 erstmals wieder Personenverkehr von Merzig-Ost bis Wadern-Nunkirchen erfolgte. Wenige Jahre später wurde 1987 der Bahnbetrieb wieder eingestellt und die Personenbeförderung mit Bussen fortgeführt. Das bedeutete das Ende der MBE.

Jedoch verlieh das saarländische Wirtschaftsministerium 1988 dem Verein zum Dampflokfest das Eisenbahnnutzungsrecht, sodass das Streckenteilstück Losheimer Wald und Nunkirchen befahren werden konnte. Seit Anfang der 80er hat die Kommune zudem die Rechte eines Eisenbahnstrukturunternehmens.

1994 wurde der Fahrbetrieb wieder bis nach Merzig-Ost aufgenommen. Heute betreibt und finanziert die Gemeinde Losheim am See die 15 Kilometer lange Strecke von Merzig bis zur Dellborner Mühle, allerdings fährt die Eisenbahn aktuell nicht mehr bis nach Merzig. Das ist ein Problem, weiß Günther Leistenschneider, Vorsitzender des MECL. Vor rund zwei Jahren stellte die Eisenbahnaufsicht des Landes Schäden an der Strecke fest und sperrte diese mit sofortiger Wirkung, tausende Schwellen müssen erneuert werden.

Ein schwerer Schlag für den Verein und für den Tourismus. „Uns fehlt die schönste Strecke“, sagt Leistenschneider, es ist ein unbefriedigender Zustand, wie er berichtet. Früher sind mehr als ein Drittel der Fahrgäste in Merzig eingestiegen, die fehlen heute. Für ein halbes Jahr war die Strecke 2017 geschlossen.

Mit einem Zuschuss des Landes und des Landkreises konnte inzwischen für 400 000 Euro eine Teilstrecke bis in den Losheimer Wald und zur Dellborner Mühle saniert werden. Ein Förderantrag zur verbliebenen Sanierung bis nach Merzig liegt bislang unbeantwortet in Saarbrücken, das Geld fehlt. Aber es tut sich was: Dieser Tage schloss die Gemeinde Losheim am See die Kaufverhandlungen mit der Deutschen Bahn für die Strecke Bahnhof Merzig bis Merzig-Ost ab, und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie die Allianz Pro Schiene äußerten am Montag die Empfehlung zur Reaktivierung von fünf stillgelegten Bahnstrecken im Saarland – eine davon ist die Strecke Merzig–Losheim am See.

Alle Serienteile finden sich im Internet.

Eine alte elektrische Rechenmaschine der MBE. Foto: leis/Tina Leistenschneider
Die alte Werkstatt der Merzig-Büschfelder Eisenbahn wird vom Verein genutzt. Foto: leis/Tina Leistenschneider
Seit 1982 fährt die Museumsbahn in Losheim am See zwischen Merzig und Losheim, aktuell kann sie nur ein Stück in den Losheimer Wald und zur Dellborner Mühle fahren. Grund dafür: Tausende Schwellen müssen erneuert werden, die Bahnaufsicht sperrte die Strecke vor zwei Jahren. Foto: leis/Tina Leistenschneider

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