Mit Mut für die wichtigen Fragen

Die ersten Wochen als katholischer Stadtpfarrer liegen inzwischen hinter Andreas Sturm. Der 40-Jährige fühlt sich in St. Ingbert mit offenen Armen empfangen. Das mache ihm gemeinsam mit seinem Seelsorge-Team auch Mut, grundsätzliche Fragen zum Angebot der Kirche vor Ort zu stellen: Was brauchen wir wirklich und was wollen die Menschen?

. "Noch sind nicht alle Bilder aufgehängt, aber zumindest alle Kisten sind ausgepackt." Pfarrer Andreas Sturm fühlt sich schon in St. Ingbert angekommen, wie er bei einem Gespräch im Pfarrhaus von St. Josef erzählt. Seit Jahresanfang als neuer katholischer Stadtpfarrer in der Mittelstadt, habe es "keine Schonfrist" gegeben. "Hochtourig" waren die ersten Wochen des 40-Jährigen. Kennen lernen und Namen merken sei derzeit angesagt. "Ich hatte schon mit fast allen Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten Kontakt, möglichst bald sollen alle Gruppen, Kreise, Kitas und ihre Elternvertretungen folgen", beschreibt er das Auftaktpensum. Das falle ihm aber leicht, weil er überall großer Herzlichkeit begegnet. Wie er es bei seinem Antrittsgottesdienst in der voll besetzten Josefskirche erlebt habe (wir berichteten), fühle er sich in St. Ingbert mit offenen Armen empfangen.

Gut passt nach Sturms Einschätzung auch das Seelsorge-Team, das in der St. Ingberter Innenstadtpfarrei zusammenarbeitet. Pfarrer , Kooperator, Kaplan und Gemeindereferent brächten unterschiedliche Erfahrungen ein. "Armin Hook ist 50, Michael Kapolka 30, Holger Weberbauer und ich liegen vom Alter her dazwischen." Mit einer klaren Zuordnung will Sturm die seelsorgerischen Aufgaben künftig meistern. Statt der Zuständigkeit für einzelne Pfarreien soll es eher Aufgabenbereiche geben. "Der Kaplan etwa wird sich um die Jugend und der Gemeindereferent um die Kommunikantenkatechese kümmern - immer für die ganze Stadt." Auch bei der Gottesdiensten sollen feste Zuständigkeiten der Vergangenheit angehören.

Pfarrer Sturm will auch den Eindruck ändern, die Stadtpfarrer verstünden sich vor allem als Pfarrer von St. Josef. Alleine dank seines Heimatortes Gerolsheim , einem 500-Seelen-Dorf, habe er sich stets ein "Herz für kleine Gemeinden" bewahrt. Das solle auch in St. Ingbert so sein. Keine zentralen Strukturen, sondern die Eigenheiten stärken.

"Ich will Pfarrer für alle St. Ingberter sein." Und auch deren Pfarr-Manager. Dieses Stichwort ist unvermeidlich in einem Gespräch mit dem Chef-Seelsorger in der künftigen Groß-Pfarrei "Heiliger Ingobertus, die mit St. Josef, St. Hildegard, St. Franziskus, St. Konrad, St. Pirmin und St. Michael, Herz Mariae sowie St. Barbara Schnappach aus sieben ehemals selbstständigen Pfarreien mit der gleichen Zahl an Kirchen und Kindertagesstätten bestehen wird. "Ich weiß nicht, ob bei diesem Thema stets eine falschen Idylle vorherrscht", meint Sturm. "Den Mann der reinen Seelsorge gab und gibt es ebenso wenig wie jene, die nur die kirchliche Verwaltung stresst."

Für Pfarrer habe es immer auch Verwaltungsaufgaben gegeben, "die sind ein Teil der Seelsorge ". Um die Aufgaben zu stemmen, brauche man zudem den Sachverstand in den Gremien der einzelnen Pfarreien. Den will Sturm nutzen. "Die gewählten Vertreter einbeziehen, um einen guten Dialog ringen", hat sich der Pfarrer vorgenommen. "Dann wird es auch gute Ergebnisse geben."

Große Versprechen meidet der Neue, er will sich aber grundsätzlich den Mut nehmen, öfters die Frage "Was brauchen wir wirklich?" zu stellen. Nur so lasse sich herausfinden, welche Angebote die Menschen von der Kirche erwarten oder welche kirchlichen Gebäude beispielsweise unabdingbar seien. Andreas Sturm will die Zeit in St. Ingbert offen angehen. "Ein Pfarrer muss nicht auf alle strukturellen Fragen sofort eine Antwort haben." Wie es mit dem Projekt "Gemeindepastoral 2015" in St. Ingbert genau weitergeht, werde sich entwickeln, "von manchem muss ich mich auch überraschen lassen".

Zum Thema:

Zur PersonAndreas Sturm, Jahrgang 1974, wurde in Frankenthal geboren und ist in Gerolsheim aufgewachsen. Nach einem Jahr als Diakon in St. Ingbert wurde er 2002 zum Priester geweiht. Er war als Kaplan in der Landauer Pfarrei St. Maria sowie als Dekanatsjugendseelsorger des Dekanats Landau tätig, bevor er 2004 als geistlicher Leiter des Diözesanverbandes der Katholischen Jungen Gemeinde und Referent für Ministrantenseelsorge nach Speyer wechselte. 2010 wurde er zum Diözesanpräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Speyer gewählt und übernahm die Leitung der Abteilung Jugendseelsorge im Bischöflichen Ordinariat. red