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Mit der Hängematte in ein erfülltes Berufsleben

Mit der Hängematte in ein erfülltes Berufsleben

Verena Dittmann ist für einen gewöhnlichen Bürojob nicht zu begeistern. Sie wollte nach dem Studium kreativ sein. Ihre Kontakte nach Südamerika gaben den Ausschlag. Dittmann verkauft jetzt Hängematten aus Handarbeit.

. Verena Dittmanns Eltern fanden es nicht lustig, dass ihre Tochter nach einem Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre und Interkulturellen Studien, dem "bisschen" Tourismusmanagement und einer "drohenden" festen Anstellung bei "Bosch Engineering" die Reißleine zog, weil ein Bürojob nicht ihr Ding war. Natürlich wusste sie, "dass ich irgendwann mal seriös werden muss", aber dann sollte es eine Beschäftigung sein, die Perspektive böte. Eine, die Raum für Kreativität einräumt, das Spinnen von Ideen zulässt und in der man Träume leben kann. Nach einem viermonatigen Aufenthalt in Ecuador 2008, vier Jahren in Spanien und einem "Abstecher" nach England weiß die Oberwürzbacherin jetzt, was sie will. Und das hat auch mit ihrem Aufenthalt für den Deutschen Entwicklungsdienst in Südamerika zu tun, wo die heute 30-Jährige in einer Initiative mit indigenen Frauen arbeitete, die Tourismus mit Entwicklungshilfe verbinden will. In einem handwerklichen Projekt wurden auch Hängematten hergestellt. Diese bunten Unikate gefielen ihr so gut, dass sie zwölf Stück nach Deutschland mitnahm. Bekannte und Freunde fanden Gefallen.

"Die wollte jeder haben", sagt Dittmann , "und als ich im Internet auf die Suche ging, um mir selbst eine zu besorgen, hatte ich eine Marktlücke gefunden." Mit einer Kommilitonin hatte sie die Idee, südamerikanische Hängematten in Deutschland anzubieten. "Das hört sich banal an, aber wir denken da noch weiter", so die Jungunternehmerin, die mit ihren zwei Partnern schon Anfragen für die Ausstattung von Festivals bekommen hat. Im Spätsommer 2013 wurde aus der Idee ein konkretes Projekt - K'uyuy war geboren. Sie erstellte eine Homepage, aktivierte Kontakte nach Südamerika und buchte Ende Januar Flüge nach Quito .

Zuerst sei man dort noch planlos auf den Handwerkermarkt gegangen, erzählt Dittmann . Da gab es Hängematten, die aber aufgrund ihrer industriellen Fertigung keine "Geschichte erzählten". Der jungen Frau wurde bewusst, welch "emotionales Produkt" solch eine Matte für sie darstellt. Dann ging alles schnell.

Beim Ministerium für Kulturen in Ecuador wurden die Initiatoren vorstellig und äußerten den Wunsch, die speziellen Webtechniken für die Zukunft zu erhalten, die Frauen im Alter zwischen 80 und 90 Jahren noch beherrschen. Allerdings mangelte es an Nachwuchs. Junge Ecuadorianer wurden mit den Weberinnen zusammengebracht, die die Technik an ihre neuen "Lehrlinge" weitergaben, die nun ihrerseits Arbeit hatten. Und Verena Dittmann und ihre Mitstreiter kamen so zu "ihrem" Produkt. Mittlerweile gibt es auch Hängematten aus Nicaragua, Peru und demnächst aus Mexiko. Ein Resozialisierungsprojekt für Häftlinge in Südamerika nahm sich ebenfalls der Produktion an. Die hierzulande zu zahlenden Preise werden von den Erzeugern vorgegeben. Zwei Wochen wird an solch einer unverwüstlichen Matte gearbeitet, für deren Herstellung es in Deutschland keine Fördertöpfe gibt, die K'uyuy anzapfen könnte. Finanzielle Hilfe für den Aufbau der Firma im Raum Stuttgart leisten derzeit Freunde und die Familie, die mittlerweile hinter dem Projekt steht. Gerade ist die neue Website unter www.kuyuy.de online gegangen.

"Ich habe gefunden, was mir Spaß macht. Ich kann hier 20 Stunden am Stück schaffen, ohne dass es sich wie Arbeit anfühlt", zeigt sich Verena Dittmann hochzufrieden. "Man muss es nur wollen und hinter der Idee stehen." Und dass sie nicht mit einem "08/15-Ding" zufrieden ist, zeigt sich in der Vielfalt der Produktpalette, die unter anderem eine Winterversion in Alpaka-Wolle oder eine "Sitzgelegenheit" für 28 Leute für Messen oder Firmenfeste umfasst. Und wer keine Bäume hat, lässt sich die Konstruktion zum Aufhängen der Matten gleich mitliefern.