1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Menschen in St. Ingbert halten Ausgangsbeschränkungen ein.

Ausgangsbeschränkungen : Sonnenschein lockte „mit Abstand“ ins Freie

Woche drei der Ausgangsbeschränkung wegen des Corona-Virus hat begonnen. Die freiheitsliebenden Saarländer und mit ihnen viele andere Menschen weltweit müssen sich umstellen. Gerade am vergangenen Wochenende mit dem Kaiserwetter fiel das schwer. Wie erlebten das die St. Ingberter?

Wir haben uns am Wochenende auf den Weg durch die Ortsteile gemacht und Freizeit-Hotspots besucht, zu denen die St. Ingberter normalerweise scharenweise streben. Halten Sie sich an das „Versammlungsverbot“, wie gehen sie damit um und wie erleben  sie derzeit ihre Stadt? All das versuchten wir zu ergründen. Wer einen Garten hat, ist fein raus. Solch eine grüne Oase vor der Haustür oder hinter den eigenen vier Wänden bietet willkommene Abwechslung. In Rentrisch wird der Wasserlehrpfad vor allem von Fahrradfahrern gern als „Querungshilfe“ auf ihrem Weg von Saarbrücken nach Homburg oder nach St. Ingbert, und umgekehrt, genutzt. Da war am Samstag ziemlich viel Betrieb. „Guck mal, jetzt arbeiten alle in ihrem Vorgarten“, sagt eine Zweiradfahrerin zu ihrer radelnden Begleitung und grüßt die Gärtner. Eigentlich werkeln diese oft vorm oder am Haus. Ist es nicht eher so, dass in Zeiten, wo man weniger Menschen auf den Straßen sieht, solche alltäglichen Dinge viel stärker wahrgenommen werden? Zumindest scheinen die Krähen in der Gustav-Clauss-Anlage lauter zu krächzen, die Glocken von der Josefskirche stärker zu läuten und sogar die in der Sonne dösenden Enten des Stadtparks noch schöner, die Blumen noch bunter zu sein.

Überhaupt ist  Betrieb im Park, es wird geradelt, gejoggt oder die St. Ingberter gehen mit ihrem Partner, dem Hund oder den Kindern raus. Leider sind die Spielplätze mit Barken und einem Hinweisschild „Betreten verboten!“ versehen. Eltern und Kinder halten sich daran, auch wenn es schwer fällt und die Jüngsten kaum verstehen, warum das neue Piratenschiff von ihnen nicht geentert werden darf. Dafür haben die Großen Zeit, den Kleinen die Schönheit der Natur zu zeigen, die Blumen auf dem Rondell zu inspizieren und dem Nachwuchs das Radfahren beizubringen. Der gehandicapte T.A. Crawford steht mit seinem „Dreirad“ mitten auf der Wiese und genießt die Sonne. Jeden Tag fährt der St. Ingberter, auch in Nicht-Corona-Zeiten, seine 30 Kilometer mit dem armbetriebenen Trike. Gern lässt er sich auf ein Gespräch ein, nicht ohne vorher, trotz der mehr als zwei Meter Abstand, seinen Mundschutz anzulegen, den er aus einem T-Shirt (Erinnerungsstück von einer Fußball-WM), selbst genäht hat. Seine trainierten Oberarme sind in den vergangenen zwei Wochen noch stärker geworden und zwischen den Bewegungseinheiten ruht er gern im Stadtpark aus. Er begrüßt die Ausgangsbeschränkungen, würde sich aber wünschen, dass jeder einen Mundschutz trägt. Auch dass das Sitzen in Gruppen auf der Wiese, was wie ein Picknick wirke, verboten ist, kann er nachvollziehen. „Mich betrifft das nicht, ich habe ja meinen Sitz immer dabei“, sagte er schmunzelnd, während zwei Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde, die mit einem weißen Kastenwagen ihre Runden im Park drehen, zwei St. Ingberterinnen von einer Relaxbank am Großbach hochbitten. Die Oma und ihre 13-jährige Enkelin haben ihr Eis noch nicht aufgegessen, dürfen aber nicht länger als fünf Minuten dort sitzen. Sie haben Verständnis für die Maßnahmen, auch wenn sie nicht recht verstehen, warum sie trotz Abstand und als Familienangehörige dort nicht länger die Sonne genießen können.

Ein junger Mann hat es sich mittlerweile, an einen Baum gelehnt, auf der Wiese mit einem Buch gemütlich gemacht. Für ihn eine gute Möglichkeit dem „Lagerkoller“ in der kleinen Mietwohnung zu entkommen.

Auch die Fußgängerzone ist belebt, einige Leute schlecken Eis und machen trotz geschlossener Geschäfte einen Schaufensterbummel. Derzeit fallen noch mehr Hand in Hand gehende Pärchen aller Altersgruppen ins Auge. Die Ausgangsbeschränkung scheint also nicht nur Beziehungen zu gefährden, sondern bei anderen auch zu festigen. Viele Spaziergänger bedauern es allerdings, dass bei diesem Wetter Cafés und Restaurants geschlossen haben, wo um diese Zeit und bei dem Wetter sonst der Bär steppen würde. Auch der Glashütter Weiher in Rohrbach lag vergleichsweise ruhig da. Zumindest war die Liegewiese leer, während Spaziergänger, Fahrradfahrer und Gassigänger das Wochende ausgiebig nutzten, was schon bei der Belegung der Parkplätze deutlich wurde. Es war vor allem das Wochenende der Angler, die die Ruten rings um das Gewässer ausgeworfen hatten. So auch am Griesweiher bei Hassel. Normalerweise ist die Anglerhütte gut besucht, man trifft sich dort auf eine Zwischenmahlzeit oder ein Bier. Bei unserer Stipvisite saßen zwei Radfahrer an den markanten alten Bäumen und unterhielten sich, mit den vorgeschriebenen  zwei Armlängen Distanz zwischen sich, über Gott und die Welt. Ihr Bier hatten sie selbst mitgebracht. Über Oberwürzbach, wo die Dorfmitte am Bach mit ihren vielfältigen Möglichkeiten derzeit wegen Corona hinter diesen zurückbleibt und wie ausgestorben wirkt, geht es zurück nach Rentrisch. Fazit: Die St. Ingberter halten sich zumeist an die Vorgaben und machen das Beste daraus. „Es kommen ja auch wieder andere Zeiten“, war von vielen zu hören.

Eine Momentaufnahme ohne Menschen am Samstagnachmittag an der Anglerhütte am Griesweiher: Still ruhte der See. Foto: Cornelia Jung
In der Fußgängerzone sah man am Sonntagnachmittag einige Fahrradfahrer, alle mit dem gebührenden Abstand unterwegs. Foto: BeckerBredel
T.A.Crawford bei einer Verschnaufpause in der Gustav-Clauss-Anlage. Foto: Cornelia Jung
Angler gingen ihrem Hobby nach am Glashütter Weiher. Foto: Cornelia Jung

Übrigens: Stephan Laßotta, Sprecher im Landespolizeipräsidium, kann den Menschen im Saarpfalz-Kreis ein „sehr gutes Verhalten“ attestieren. Denn es lägen hier weder Strafanzeigen noch Ordnungswidrigkeiten vor.