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Meinung zu Sicherheitskonzepten in der Innenstadt von St. Ingbert

Meinung : Mehr Sicherheit nur mit Augenmaß

Nach der Amokfahrt von Trier wird auch im Saarland über die Sicherheit in Innenstädten diskutiert. Die Debatte ist nachvollziehbar, doch Politiker dürfen nicht über das Ziel hinausschießen.

Berlin, Münster, Nizza – und jetzt Trier. Die gefühlte Bedrohung rückt näher. Das Leid von Opfern und Angehörigen solcher Taten will sich niemand vorstellen. Deshalb ist es verständlich, dass als erster Impuls der Ruf nach mehr Sicherheit laut wird. Doch Experten und Politiker sind sich einig: ein vollumfänglicher Schutz kann nicht garantiert werden. Selbstverständlich sollte alles Erdenkliche getan werden, um solche Taten in Zukunft zu erschweren. Doch hier ist Augenmaß gefragt und kein blinder politischer Aktionismus.

Das gilt auch in St. Ingbert. Natürlich könnten die Verantwortlichen jede Zufahrt zur Fußgängerzone für Amokfahrer unpassierbar machen. Doch das beträfe in hohem Maße das Leben eines jeden Bürgers, der in einem Notfall auf die Hilfe von Rettungskräften angewiesen ist. Deren Anfahrt würde sich unweigerlich verzögern. Das kann Leben kosten. Das Fallbeispiel zeigt, dass schlichte Beschränkungen aus rationaler Sicht kein gangbarer Weg wären.

Sicherheit ist jedoch nicht mit rein rationalen Mitteln erfassbar. Es geht um Unberechenbarkeit, um Kontrollverlust, entsprungen aus dem Wissen um die eigene Verletzlichkeit. Das zu ertragen ist schwer. Psychische Widerstandskraft ist gefragt, um diese Unwägbarkeiten ohne anhaltende Beeinträchtigungen überstehen zu können – privat wie gesellschaftlich.

Das ist natürlich leicht gesagt aus der Ferne. Nicht umsonst werden Sicherheitsdebatten immer auch vor dem Hintergrund einer gefühlten Sicherheit geführt – die dürfte in Trier auf einem Tiefstand sein. Würde man aber jedes politische Handeln der Maximierung der Sicherheit unterordnen, wäre ein freies und selbstbestimmtes Leben in unserem Land nicht möglich.