Martinsumzug der Christuskirche zieht durch St. Ingbert

Auftakt zum Martinstag : Mit selbstgebastelten Laternen durch St. Ingbert

Ganze 14 Martinsumzüge finden in diesem Jahr in St. Ingbert statt. Den Auftakt machte gestern Abend die Kita der Christuskirche mit anschließenden Martinsfeuer.

Kurz vor 17.30 Uhr am Abend strebten viele Kinder, deren Eltern oder Großeltern am vergangenen Mittwoch, 6. November, der Kita der Christuskirche entgegen. Fast alle hatten für den Martinsumzug eine eigens gefertigte Laterne dabei. Manch einer der Erwachsenen fühlte sich in die Vergangenheit zurückversetzt. „Das Bild mit den vielen Lichtern erinnert mich nochmal an unsere Kinder, als sie noch so klein waren“, sagte beispielsweise eine Passantin, die die Stimmung der vielen kleinen „Glühwürmchen“ genoss. Und ob man den Umzug nun nach dem heiligen Martin oder schlicht Lichterfest nennt, Tradition hat er allemal.

Auch wenn bei diesem Umzug durch die Albert-Weisgerber-Allee und die angrenzenden Straßen kein Pferd mit einem manteltragenden Martin mehr den Zug anführt, war der heilige Martin doch im Geiste dabei. Denn nicht nur in dem Lied „Ich geh mit meiner Laterne“, das die Erzieherinnen an der Spitze des Zuges anstimmten, kommt er in einer Textzeile vor. Bereits im Vorfeld hatten die jüngsten St. Ingberter in der Kita sehr wohl erfahren, wer der heilige Martin war. Der Mann, der aus dem französischen Tours stammte und an dessen Beerdigungstag am 11. November 397 wir jedes Jahr dieses Soldaten gedenken, der sich mit den Ärmsten verbunden fühlte, ihnen Zuwendung und Hilfe anbot. Sein Wirken blieb so sehr in den Köpfen der Menschen verankert, dass die Geschichte vom Bettler, mit dem Martin den Mantel teilte, sinnbildlich für die Uneigennützigkeit des Helfenden steht. Doch in erster Linie freuten sich die Kinder über die Stimmung, die sie beim einsetzenden leichten Regen mit ihren Laternen in den Straßen erzeugten, so dass die St. Ingberter stehen blieben oder die Fenster an den Häusern aufmachten, um sich den Umzug nicht entgehen zu lassen.

Die meisten Laternen waren selbstgebastelt, bildeten das ganze Spektrum der kindlichen, und manchmal auch elterlichen Phantasie ab. Darunter waren kunstvoll „gebaute“ Burgen, selbstverständlich mit Gespenst und Fledermaus, bunte Regenbögen, Kürbisse, Igel, Schmetterlinge Einhörner und noch viele andere „Lichtgestalten“. Damit die handgemachten Laternen auch richtig zur Geltung kommen, hatten die einzelnen Gruppen, die Krippen- und Geschwisterkinder auf halber Strecke in einem Liederkreis die Möglichkeit, ihre Lichter im wahrsten Sinne des Wortes tanzen zu lassen. Im Lied hieß es passend dazu: „Abends wenn es dunkel wird und die Fledermaus schon schwirrt. Wir feiern heut‘ ein Lichterfest, tanzen einen Reigen, denn wir wollen unsere selbstgebastelten Papierlaternen zeigen.“ Einige Knirpse waren das erste Mal bewusst bei einem Martinszug dabei und noch entsprechend schüchtern, doch die „Großen“ waren stolz auf ihre Bastelarbeit und schwenkten ihre Leuchten zum Takt der Musik im Kreis herum.

Wieder in der Kita angekommen durfte die Aufführung eines kurzen Martinsspiels natürlich nicht fehlen. Danach gab es eine Premiere. Kita-Leiterin Irina Braun versammelte einen Chor aus freiwilligen Papas und Mamas um sich, der gemeinsam mit der Kita-Leitung und den Kindern ein auf den Tag zugeschnittenes Lied sang. Helene Fischers „Atemlos“ lieferte die Melodie für den Song „Lichterloh“. Diesen Ohrwurm mit den Zeilen „Lichterloh durch die Nacht, mit Laternen selbstgemacht. Lichterloh im Kerzenschein, heut‘ geh ich noch lang nicht heim“, nahm man mit in den Abend und während die ersten schon ihre Martinsbrezel kauend oder ein Würstchen essend glückselig ins Martinsfeuer schauten, war vereinzelt immer wieder diese Melodie zu hören. „Wir sind heute ewig, tausend bunte Lichter, alles was ich hab‘, teil‘ ich mit dir“, hieß es in der „Neufassung“ des Erfolgsliedes, die zeigen sollte, dass gelebte Nächstenliebe nichts mit dem Alter zu tun hat und ebenso zeitlos ist. Es muss ja nicht immer gleich der wärmende Mantel sein, der ein Leben besser macht und Licht in die Herzen bringt.

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