Marsch der kurdischen Gemeinschaft nach Straßburg über St. Ingbert

Kostenpflichtiger Inhalt: Demonstration : Kurdischer Marsch gegen die Angriffe auf Nordsyrien in St. Ingbert

Ein Demonstrationszug organisiert von der kurdischen Gemeinschaft in Deutschland ist am Donnerstagvormittag gegen 10 Uhr vom Bahnhof St. Ingbert Richtung Innenstadt gelaufen.

Zirka 100 Teilnehmer hielten „Free-Öcalan“ Schilder hoch und sangen gemeinsam kurdische Lieder. Sie fordern „Freiheit für Öcalan – Status für Kurdistan“. „Bisher verlief alles friedlich“, erklärte der verantwortliche Polizeiführer Eric Schweizer, „die kurdischen Märsche sind meistens sehr geordnet.“

Jedes Jahr marschieren Kurden aus der Schweiz, aus Luxemburg und aus Deutschland nach Straßburg. Aus dem Saarland laufen nach Polizeiangaben jährlich bis zu über 100 Teilnehmer mit. Sie demonstrieren vor dem EU-Parlament für ein unabhängiges Kurdistan und die Freilassung von Öcalan, dem Gründer der Arbeiterpartei PKK. In Deutschland wird diese als Terrororganisation eingestuft. Öcalan befindet sich seit 1999 auf der türkischen Gefangeneninsel Imrali, hauptsächlich in Einzelhaft und muss eine lebenslange Strafe absitzen.

Seit 1984 herrscht der bewaffnete Konflikt zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK und den dagegen operierenden türkischen Streitkräften in verschiedenen Regionen der Türkei, im Nordirak und in Nordsyrien. Hintergrund war die wirtschaftliche Unterentwicklung des vorwiegend von Kurden besiedelten Südostens des Landes. Viele Kurden fühlten sich auch deshalb diskriminiert, weil ihnen ihre eigene Sprache und Tradition verweigert wurde. Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der türkischen Gesellschaft sind kurdisch. Die lange Unterdrückung trieb viele von ihnen dazu an, sich der PKK anzuschließen. Im letzten Jahr hat der türkische Präsident eine Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien gestartet. Die Bundesregierung hat dies aufs Schärfste verurteilt. Eliot Engel, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im US-Kongress, spricht von „ethnischen Säuberungen“, berichtete die ARD. Wörtlich soll es in einer Pressemitteilung vom 11. Dezember 2019 geheißen haben: „Der türkische Präsident Erdogan führt eine blutige ethnische Säuberung gegen die Kurden Nordsyriens durch.“

Am 15. Februar, dem Tag an dem Öcalan 1999 verhaftet wurde, trifft sich der saarländische Demonstrationszug in Straßburg vor dem EU-Parlament mit den Demonstranten aus den anderen Ländern. „Das sind nicht nur Kurden. Auch Menschen verschiedenster Herkunft versammeln sich dort, um die Beendigung des Kriegs gegen die Kurden zu fordern“, erklärt eine Sprecherin der kurdischen Gesellschaft. „Der Orkan hat uns nicht davon abgehalten, den Marsch zu veranstalten. Es war zwar sehr anstrengend im Sturm und Regen zu laufen, aber das zeigt nur, wie wichtig es uns ist, dass die Angriffe endlich aufhören“, sagt die Sprecherin. Der Marsch begann für die in Deutschland lebenden Kurden am 7. Februar in Frankfurt, ging Richtung Mannheim bis nach Homburg und schließlich gestern durch St. Ingbert. Zum Abschluss gab es eine Kundgebung vor der Saarbrücker Europa-Galerie zwischen 17 und 18 Uhr und ein kleines Fest im Anschluss. Polizeiführer Schweizer rechnete nicht mit Ausschreitungen: „Klar kann es zu Einzelfällen kommen, bei denen etwa türkischstämmige Menschen provokativ Erdogan-Flaggen hochhalten oder auch verbal provozieren. Aber bisher konnten wir und die Ordner solche Situationen immer schnell beruhigen.“ Dennoch sei man vorbereitet.