1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Marktforscher aus St. Ingbert mit Umfrage zur Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Umfrage in der Corona-Krise : Wie fühlen sich die Saarländer derzeit?

Die Sozial- und Marktforschung Th. Hippchen in St. Ingbert nutzt Freiräume einer schwierigen Geschäftslage, um in einem Online-Portal zu fragen, wie es den Menschen in der Corona-Krise geht.

Und dann ist alles weg – jeder Auftrag. Oder wie es Thomas Hippchen formuliert: „Alles, was wir in der Pipeline hatten, wurde abgesagt.“ Er ist Geschäftsführer der th. hippchen GmbH, die in St. Ingbert IT-Services anbietet und Sozial- und Marktforschung betreibt. Ein Geschäftszweig also, der während der Corona-Krise sozusagen am Ende der Nahrungskette steht. In Zeiten, in denen viele Menschen nicht so recht wissen, wie lange der Shutdown noch dauert und wie hoch die finanziellen Einbußen sein werden, investieren Unternehmen nicht eben viel in Umfragen oder Marketingmaßnahmen. „Es ist wirklich hochdramatisch“, sagt der Inhaber.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Jacqueline Braunberger hat Thomas Hippchen nun das Online-Portal „SaarZoom.de“ gestartet. Mit der Webseite möchte er die Befindlichkeiten der Saarländer erforschen. Zu den Fragen, die die beiden sich anfangs stellten, gehörten etwa: „Wie ist das Gefühl? Was ist die Angst?“ Tagtäglich prasselten nun Informationen auf die Bürger ein, in denen Meinungen wiedergegeben werden, die auf bundesweiten Umfragen beruhen. Gerade in der Krise sei es wichtig, auch regional zu denken, wie er sagt. Dieser völlig neuen Situation wolle man Rechnung tragen und einen Beitrag leisten, der eventuell auch dazu beitragen könne, die Stimmung etwas zu heben – geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Nach einer kostenlosen Registrierung, über die ein Link generiert und dem Teilnehmer zugeschickt wird, kann man direkt loslegen. Wie groß die persönliche Angst vor dem Virus wirklich sei, wird man beispielsweise gefragt. Oder auch, ob man den Verlust des Arbeitsplatzes, soziale Isolation oder Versorgungsengpässe am ehesten fürchtet. Kann man sich im Saarland sicher fühlen und befürwortet man Grenzschließungen? Etwa fünf Minuten dauert der Vorgang, Daten werden dabei nicht gespeichert. Er setzt auf strikte Seriosität: „Wenn Sie als Marktforscher Bockmist bauen, sind Sie weg vom Fenster“, bringt er es lapidar auf den Punkt.

Seit mehr als 20 Jahren sind Jacqueline Braunberger und Thomas Hippchen in ihrem Metier tätig, der Firmensitz ist im Pumpenhaus auf der Alten Schmelz. Zu den Kunden gehören große Player wie die Sparkasse Saarbrücken, die Saarland Versicherungen, Energie Saarlorlux und Unternehmen aus der Region, aus Deutschland und Frankreich sowie Dienstleister aus dem Medien- und Verlagswesen. „Wie bei einer Vollbremsung wurden wir erschüttert“, erläutert er das eigene Corona-Beben. Termine wurden abgesagt, Projekte und Aufträge zurückgezogen, dann kamen noch strenge Sicherheits- und Hygienevorschriften hinzu.

Gruppendiskussionen oder Interviews können nun nicht mehr einfach in den Räumlichkeiten oder im Teststudio durchgeführt werden, wie er erklärt. Zwar gebe es die Möglichkeit zur Online-Umsetzung, etwa bei den Gruppendiskussionen. „Aber die leben von Interaktion“, sagt Thomas Hippchen. Mimik und Gestik seien wichtig, aber schwierig zu beachten, wenn ein Moderator zum Beispiel sechs Bildschirme gleichzeitig im Auge behalten muss. Das Zusammensitzen in der Lounge fällt wegen der Gruppenstärke ebenfalls flach. Nun sei es also enorm wichtig zu wissen, was in Herzen und Köpfen der Menschen vor sich geht, was sie beschäftigt – und das möglichst objektiv und umfassend.

Dies trage dazu bei, sozialen Verwerfungen und der Bildung radikaler Milieus in der Post-Corona-Zeit entgegenzuwirken. So wolle man auch der Verbreitung vermeintlich „einfacher Wahrheiten“ entgegentreten. Denn nach Meinung von Thomas Hippchen werde der entscheidende Faktor bei der Überwindung der Krise und ihrer Folgen sein, dass man eben genau das weiß – was in den Menschen vorgeht. „Wir werden über die nächsten Monate versuchen, mit Saarzoom eine solide Datengrundlage hierfür zu schaffen und unseren Teil dazu beizutragen“, erläutert er. Das Ergebnis der Umfrage, an der in den ersten beiden Wochen bereits beachtliche rund 300 Bürger teilnahmen, wird in Kürze auf der Internetseite veröffentlicht – natürlich ebenfalls kostenlos.

www.saarzoom.de