Neuer Bildband : Vergängliche Kunstwerke, für die Ewigkeit festgehalten

Manfred Michels widmet sich der Land Art. Er streift durch die Natur, arbeitet mit Materialien, die er findet und fotografiert. Jetzt ist ein Buch erschienen.

Gerade ist im St. Ingberter Conte-Verlag das Buch „Saar Land Art“ von Manfred Michels erschienen. Es ist im wahrsten Sinne ein überraschender Bildband, denn außer einer kleinen Einführung finden sich dort ausschließlich Fotografien von Landschaften und Naturausschnitten, in denen von Menschenhand, immer mit natürlichen Materialien, erstaunliche Installationen aufgebaut wurden.

Mal wurde mit Lehm Bäumen Gesichtern gegeben, dann wurden Äste zu Kreisen, Sternen oder Figuren aufgebaut, natürlich sind auch Spiralen aus Steinen zu sehen, Labyrinthe aus Schnee, oder sogar ein Skelett aus Birkenästen, immer eingebettet in die lieblichen Landschaften des Saarlands.

Die Installationen und deren Fotografien stammen von Manfred Michels, der sich ganz der Land Art verschrieben hat. Land Art als Kunstrichtung entstand in den späten 1960er Jahren und ist die Umwandlung von einem geographischen Raum in ein Kunstwerk, meist mit vorgefundenen Naturmaterialien. Meist sind die Installationen nur temporär, manchmal aber auch von dauerhafter Form. Bei Manfred Michels können sie sogar nur sehr kurzfristig, nur für die Aufnahme eines Fotos, bestehen. „Gerade wenn man Hölzer zu stehenden Figuren aufbaut, reicht ein Windstoß und sie fallen wieder um“, erklärt er.

Manfred Michels beschäftigt sich seit dem Jahr 2013 ausführlich mit dieser Kunstrichtung, widmet ihr viel Zeit und Geduld. Künstlerisch tätig war Manfred Michels, geboren 1957 in Prüm, in der Eifel, schon immer. Aber es war ein langer Weg zur Land Art. Zuerst malte und fotografierte er viel, arbeitete bei der Post. Wegen einer Augenkrankheit sattelte er um, erlernte den Beruf des Klavierstimmers, widmete sich daneben der Anfertigung von Holzskulpturen, die er aus vorgefundenen, natürlichen Hölzern erschuf. Daneben betrieb er eine Keramikwerkstatt.

Dann zog der Klavierstimmer nach Saarbrücken, arbeitete hier in einem Musikhaus. Daneben entdeckte er Videokamera und Fahrrad für sich, ging auf Reisen und drehte darüber Berichte. Weitere gesundheitliche Probleme machten dies unmöglich. „Das war eine schwierige Zeit. Durch mein Augenleiden und die gesundheitlichen Probleme bin ich eingeschränkt, wollte mich aber weiter künstlerisch beschäftigen, tätig sein. Und ich wollte in der Natur sein“, erklärt er. „Ich war im Internet auf der Suche, und dann kam ich auf die Land Art“, erzählt er weiter.

Das war eine zündende Idee. Denn Manfred Michels war schon immer sehr naturverbunden und Erfahrungen mit Holzskulpturen hatte er auch bereits gesammelt. „Meine Idee war, direkt vor Ort ein Werk zu installieren und es dann zu fotografieren. Denn für mich ist das Foto das eigentliche Kunstwerk“, sagt er. Seither streift Manfred Michels, der auf dem Saarbrücker Rodenhof zuhause ist, durch die saarländische Natur, sucht sich vor Ort seine Materialien und baut dann seine Installationen. „Das meiste wird vom Wetter oder von Tieren schnell wieder zerstört“, erklärt er.

„Manchmal räume ich die Installationen nach den Fotos auch sofort wieder ab, wenn sie in einen Weg ragen oder zu nah an einem Feld stehen. Ich will ja niemanden stören mit meiner Land Art.“ Und dann erzählt er, dass er viel Zuspruch für seine Werke erhält. „Wenn Spaziergänger vorbeikommen, loben sie die Werke, fragen, ob sie Fotos machen können“, sagt er lachend. „Einmal wurde ein bereits zerstörter Stern auf der Halde Grühlingstraße, den ich nochmal richten wollte, sogar von jemand anderes wieder aufgebaut.“ Selbst Waldarbeiter seien von seiner Kunst angetan, „auch wenn sie meinten, das wäre keine Kunst“.

Ob seine Installationen Kunstwerke sind, fragt sich Manfred Michels nicht. Denn für ihn sind die Fotografien der eigentliche künstlerische Ausdruck. Wegen seines Augenleidens kann er allerdings kaum Einfluss nehmen auf die Abbildungen, er bearbeitet sie nur ganz wenig. So zeigen die Fotos in natürlichen Farben seine Installationen, ganz so, wie sie in der Natur bestanden haben. Und sie bezeugen, dass Manfred Michels viele wunderbar skurrile Einfälle für seine Installationen hat, aber auch einen guten Blick und ein Gespür für die Stimmungen, Lichtverhältnisse und Besonderheiten des jeweiligen Ortes.

Für Manfred Michels ist Kreativität lebensnotwendig. Foto: dawo/Photographer: Markus Dawo

„Saar Land Art“ von Manfred Michels: erschienen im Conte Verlag, ISBN 978-3-95602-222-7, 80 Seiten, Hardcover.