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"Mams Geschichten" warten auf neue Leser

"Mams Geschichten" warten auf neue Leser

St. Ingbert. Eigentlich waren die Geschichten, die sich Marietta Backes vor über 20 Jahren für ihre kleine Tochter Julia ausdachte, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie wollte einfach nur mal was anderes "jenseits von Rotkäppchen und anderen Märchen". Und ihre Tochter, mittlerweile selbst Mutter, hat diese Erzählungen geliebt

St. Ingbert. Eigentlich waren die Geschichten, die sich Marietta Backes vor über 20 Jahren für ihre kleine Tochter Julia ausdachte, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie wollte einfach nur mal was anderes "jenseits von Rotkäppchen und anderen Märchen". Und ihre Tochter, mittlerweile selbst Mutter, hat diese Erzählungen geliebt. So sehr, dass sie ihre Mutter ermutigte, sie zu veröffentlichen, damit auch andere Spaß an den liebenswerten Figuren haben.Auch ihr Mann Alois redete ihr zu: "Das ist doch ihr Hobby, das unterstütze ich." Die Familie steht so sehr hinter dem Buchprojekt, dass sie trotz Umbaumaßnahmen im kürzlich erworbenen Haus bereit war, Geld für die Veröffentlichung abzuzwacken. Zuerst habe sie versucht, Sponsoren zu finden, erzählt die St. Ingberterin. Doch damit hatte sie keinen Erfolg. Also recherchierte die Endfünfzigerin nach einem Verlag, der Autoren sucht. Mit dem Wagner-Verlag in Gelnhausen wurde sie fündig. Der stellte die Lektorin und den Illustrator, mit dem Marietta Backes anfänglich nicht ganz zufrieden war. "Ich mag niedliche Gesichter", erklärt die Autorin und lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihre Vorstellungen durchzusetzen wusste. Nun ist das Taschenbuch unter dem Titel "Mams Geschichten" in einer Auflage von 2000 Stück erschienen und die Geschichtenerfinderin ist zufrieden mit dem Ergebnis. Obwohl Tochter Julia den Inhalt des Bändchens als Kind oft erzählt bekam, gab es mit dessen Erscheinen doch eine Überraschung für sie. Ihre Mutter widmete ihr das Buch mit den Worten "Ich hab' dich lieb", was nun jeder Leser am Anfang der drei Geschichten sehen kann. Besonderen Wert legte Marietta Backes darauf, dass das Kinderbuch in großer Schrift gedruckt wird, was ideal für Erstleser ist. Aber auch die Autorin kennt den Nachteil zu klein gedruckter Buchstaben, denn sie sieht sehr schlecht, auf einem Auge ist sie blind. Aus ihrer Erfahrung beim Blinden- und Sehbehindertenverein für das Saarland, wo sie als ehrenamtliche Helferin eine Kindergruppe gründete, bekam sie Anregungen für "neuen Stoff". Darin geht es um das Kennenlernen zweier Mädchen, von denen eins blind ist. Das Fremde und der behutsame Umgang damit stehen im Vordergrund und dies ist auch die erste Geschichte, die "absichtlich" für die Veröffentlichung verfasst wurde.

Derzeit gibt es noch Stoff für zwei weitere Bücher. Jede ihrer Geschichten habe einen "psychologischen Hintergrund", den die Kinder entdecken sollen, so Backes. Ihr Enkel mag Bob, den Baumeister lieber, doch dessen Freund möchte nichts anderes mehr hören als "Mams Geschichten". Solche Komplimente spornen an. Inspiration bekommt sie als Sozia auf der "Goldwing" ihres Mannes, ihre Ruhe fürs Schreiben gibt ihr Kater Picasso. Geschrieben wird mit Stift und Block und erst wenn alles fertig ist, kommt der Computer zum Einsatz. "Ich mag niedliche Gesichter."

Marietta Backes, Autorin

Auf einen Blick

Das Kinderbuch "Mams Geschichten" (ab vier Jahren) von Marietta Backes erschien im Wagner Verlag Gelnhausen. Es ist für Erstleser in großer Schrift gedruckt und kann im Buchhandel unter der ISBN 978-3-86279-238-2 für 8,90 Euro bestellt werden. con