Mal ruhig, mal besinnlich, aber auch manchmal dramatisch

Mal ruhig, mal besinnlich, aber auch manchmal dramatisch

Leider nur wenige Zuhörer erlebten in der Blieskasteler Orangerie einen musikalischen Leckerbissen: Die vier Streicher des Minguet-Quartetts aus der Domstadt Köln sorgten am Ende für stehende Ovationen.

Sozusagen einen musikalischen Leckerbissen hatte am Samstagabend das Kulturangebot der Stadt Blieskastel im Programm. In der Orangerie war das Minguet-Quartett zu Gast. Bei den vier Kölner Streichern handelt es sich um die Preisträger des Klassik-Echos aus 2010. Vor leider nur überschaubarer Besucherzahl gaben die Musiker Werke von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy und Schubert zum Besten. Minguet, das klingt spanisch. Und in der Tat: Ulrich Isfort (1. Violine), Annette Reisinger (2. Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello) haben sich Pablo Minguet für den Namens ihres Quartetts gewählt. Der spanische Philosoph des 18. Jahrhunderts ist bei den vier Musikern sozusagen künstlerisches Programm.

Er bemühte sich in seinen Schriften, dem breiten Volk Zugang zu den schönen Künsten zu verschaffen. 1988 gegründet, zählen die vier Streicher zu den gefragtesten jungen Musikern weltweit in Sachen Klassik und sind in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause. Beim Blieskasteler Gastspiel hatte man sich zunächst, quasi zur Eröffnung, das Streichquartett in d-Moll KV 421 von Wolfgang Amadeus Mozart ausgewählt. Vor allem beim Andante zeigte sich der typische Klang des Salzburger Komponisten. Mal ruhig, mal besinnlich oder eben phasenweise auch mal etwas dramatischer. Auch das Capriccio in e-Moll, op. 81,3 aus "Vier Stücke für Streichquartett, op. 81" von Felix Mendelssohn-Bartholdy stand dem in nichts nach.

Von leicht melancholischen Zügen über schnelle Tempi bis zum Eindruck, das Stück würde die vier Musiker ein wenig vor sich hertreiben: Vielfältiger kann eine klassische Interpretation nicht sein. Vor allem Ulrich Isfort (Violine I) schien hier nahezu alles zu geben. Auch beim Streichquartett in d-Moll D 810 "Der Tod und das Mädchen" von Franz Schubert war festzustellen, dass man Thema zwar musikalisch erzählen kann, ohne die Dramatik dabei vermissen zu lassen.

Harmonie und Ruhe

Von Harmonie und Ruhe bis hin zu romantisch verspielten Zügen, die später dann indirekt Fahrt aufnahmen und dramatisch gipfelten. Das Publikum schien Gefallen an der Musik der vier Streicher gefunden zu haben. Am Ende gab es stehende Ovationen für ein eineinhalbstündiges Konzert, welches in unserer Region gewiss Seltenheitscharakter gehabt haben dürfte. Passender hätte man das Konzert auch nicht hinsichtlich des Aufführungstermins platzieren können: Am Vorabend des dritten Advents passte die Klassik in eine hektische Zeit somit wie die Faust aufs Auge. "Schade, dass so wenig Leute da waren. Die haben echt was verpasst", meinte Ralf Dittgen aus Saarlouis am Ende.

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