Makabre und boshafte Analysen

St. Ingbert. "Oben bleiben", das sagt sich heutzutage so einfach. Auch bei profanen Dingen wie dem Selbstgespräch kommt es auf die Qualität des Gesprächspartners an. Das jedenfalls ist die nüchterne, bisweilen aber auch herrlich boshaft-makabre Analyse von Max Uthoff

St. Ingbert. "Oben bleiben", das sagt sich heutzutage so einfach. Auch bei profanen Dingen wie dem Selbstgespräch kommt es auf die Qualität des Gesprächspartners an. Das jedenfalls ist die nüchterne, bisweilen aber auch herrlich boshaft-makabre Analyse von Max Uthoff.Der scharfsinnige Kabarettist dozierte am vergangenen Donnerstagabend in der Stadthalle mit seinem aktuellen Programm "Oben bleiben". Der Gewinner der Pfanne 2009 kommt äußerlich seriös daher: Im grauen Einreiher, weißem Hemd und mit dunkler Krawatte. Jurist ist er von Hause aus, was als ein Indiz für seine tiefen Kenntnisse aller möglichen Sachverhalte, aber auch für seine scharfen analytischen Kommentare gelten kann. Seine systemfeindliche Meinung spiegele ja nur die des Zuschauers wider, meint der Künstler. Rums. Das sitzt und muss erst einmal verdaut werden.

Viel Zeit gibt es dafür nicht, denn das Energiebündel ist schon beim nächsten Thema. Dank des Internets erfahre man ja schon nach zwei Wochen, dass der sympathische Rentner über einem tot ist. Uthoff spricht Tabus an - über Schwule beim Fußball werde erst gesprochen, seit Angela Merkel zweimal in der Kabine war - und spiegelt Gewohnheiten anders wider. Doch da ist auch seine vornehme, steife Distanziertheit, die ihm eine Seriosität verleiht, mit der er eigentlich alles sagen kann. Ja, sogar, dass man vor dem Alter keine Angst zu haben braucht.

Tabletten für die Dritten

Man müsse nur vorbereitet genug sein: In jungen Jahren sich schon an den Seniorenteller gewöhnen und die Tablette für die Dritten schon mal zum Nachtisch einwerfen. Auch dieser Kabarettist hat seine Feindbilder: Neben ZDF-Journalist Peter Hahne - er moderiere "so lange, bis wir den Schmerz nicht mehr spüren" - ist es auch bei Uthoff die FDP. CSU-Chef Seehofer sei deshalb so agil, weil er denke, ein Männchen sage immer zu ihm "Des traust dich nie". Und dann diese Piraten, diese FDP mit W-Lan. Doch man hat jetzt den Peer von der SPD. Das komme dabei heraus, wenn man Altkanzler Schmidt mit zehn Stangen Zigaretten einsperre. Irgendwann steige weißer Rauch auf und die Sozialdemokraten haben einen Kandidaten.

Oder der Stuttgarter Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Grüne wird irgendwann morgens wach und ist Eigentümer von vier Atomkraftwerken. So ändern sich die Zeiten. Deshalb setzt sich Max Uthoff auch für Frauen ein. "Wenn Männer gebären müssten, dann gäbe es schnell eine Rechtsvorschrift, die das verbietet", erklärt er diesen natürlichen Vorgang. Und dann ein Geheimnis aus der Politik: Kultusminister wird man nicht freiwillig.

Wer bei der ersten Kabinettssitzung das kürzeste Streichholz ziehe, bekomme diesen Posten. Dass Französisch eine schöne Sprache sei, hält er für ein Ammenmärchen. Das sei vielmehr gesprochene Aufzugsmusik. Ihre richtige Bedeutung und ihren vollen Wohlklang erfahre eine Redensart nur, wenn man sie auf Deutsch ausspräche. "Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen" klinge auf Französisch nicht richtig treffend genug.