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Lisa Miljanic aus Oberwürzbach näht Einmal-Masken

Bereits über 1000 Schutzmasken aus Oberwürzbach : Die Nähmaschine steht momentan nicht still

Lisa Miljanic aus Oberwürzbach fertigte aus Stoffresten schon hunderte Schutzmasken.

„Mein Wohnzimmer ist aktuell eine Mischung aus Schulsaal und Produktionsbetrieb“, sagt Lisa Miljanic aus Oberwürzbach lachend. Mit drei Jungs im Alter von zehn, acht und fünf Jahren hätte die gelernte Schneiderin eigentlich mehr als genug zu tun mit Homeschooling, Haushalt und Freizeitgestaltung. Aber dann kam alles anders. „Befreundete Mitarbeiter von Krankenhäusern kamen vor etwa drei Wochen auf mich zu und fragten, ob ich für ihre Mitarbeiter nicht einige Mund-Nasen-Masken nähen könnten, weil die Vorräte an Einmal-Schutzmasken knapp wurden und Nachschub noch nicht in Sicht war.“

 Normalerweise bietet die Kleinunternehmerin Änderungs-Arbeiten und dreimal wöchentlich Nähkurse an. Die nötigen Materialien wie Stoffe, Gummibänder und Nähmaschinen hatte sie demnach zu Hause. „Ich habe natürlich zugesagt und in der Nachbarschaft um weitere Stoffspenden gebeten. So wurden aus alten Tischdecken meiner Mutter, der Bettwäsche aus der Nachbarschaft und alten gemusterten Vorhangstoffen aus Baumwolle zunächst 200 Masken.“

Auch die Baufirma, in der Ihr Ehemann tätig ist, fragte an. Diese erhielt für ihre Mitarbeiter Masken in einheitlichem Grau. Am Anfang fertigte sie Masken in Falt-Technik - später dann die angenehmer herzustellenden geschwungenen Masken mit zwei Lagen und einem Einschubfach für zusätzliche Filtermaterialien wie zum Beispiel Vlies oder einem Stück Küchenpapier. „Ich merkte schnell, dass die benötigten Mengen meine Kapazität sprengen würde. Daher fragte ich in meinem Nähkreis und bei den Teilnehmerinnen meiner Kurse an und bat um Unterstützung. Etwa sechs Frauen erklärten sich gleich bereit, ebenfalls zu helfen und auch sie erhielten bald weitere Anfragen von Apotheken, Arztpraxen, Pflegeheimen oder auch von Privatleuten.“ Schnell waren die vorhandenen Stoffe aufgebraucht, so dass Miljanic auf die Idee kam, im Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz nach Unterstützung anzufragen.“ Minister Reinhold Jost habe sich nicht lange bitten lassen und sich direkt darum gekümmert, um ihr und vielen anderen ehrenamtlichen Näherinnen und Nähern im Land mit Stoffen und Materialien unter die Arme zu greifen. Denn auch in vielen anderen saarländischen Orten fanden sich fleißige Hände und bereitwillige Näherinnen, die zahllose Masken auf ihren Nähmaschinen herstellten.

Alleine in der Facebook-Gruppe „Gesichtsmaskenhilfe Saarland“ gibt es zwischenzeitlich fast 2000 Mitglieder. Wer Bedarf hat, wird hier fündig. Die Masken werden meist gespendet oder gegen einen geringen Material-Wert angeboten. Miljanic selbst näht etwa 40 bis 50 Masken pro Tag. Letzte Woche hat sie einmal ihre Bestellungen überschlagen und war überrascht über die Menge, die da zusammen gekommen ist. „Ich habe zwischenzeitlich weit über 1000 Masken hergestellt. Manchmal nähe ich Tag und Nacht. Noch nie hatte ich so viele Blasen an den Händen. So wie eine Ballerina ihre Füße bandagiert, habe ich Pflaster um meine Finger gewickelt. Aber ich kann nicht aufhören, die Anfragen erreichen mich nach wie vor täglich“, erzählt sie.

Wenn sie für eine Maske die Materialkosten erstattet bekommt, investiert sie diese direkt wieder in neues Material. „Ich will daran nichts verdienen, sondern ich will helfen“, sagt sie. „Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit etwas dazu beitragen kann, dass es anderen besser geht oder ihnen geholfen wird. Mich belastet es oft zu erfahren, wie schwer es manche Menschen und Familien haben, denen es nicht so gut geht, wie uns.“ Die nächste größere Produktion steht schon bevor. In der kommenden Woche öffnen die Schulen wieder ihre Türen für die Abschlussklassen. Ihr zehnjähriger Sohn besucht die vierte Klasse der Grundschule und auch er wird dann wieder die Schulbank drücken.

Wer noch genähte Alltagsmasken benötigt, darf sich gerne an Lisa Miljanic direkt wenden unter Telefon. (0176) 21 40 95 45.