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Lesung Klaus Brabänder im Innenhof der ehemaligen JVA St. Ingbert

Literatur im Knast : Szenen aus einem echten Saarland-Krimi

Der Spieser Autor Klaus Brabänder las im Rahmen des„Kultursommer in der JVA“ in St. Ingbert aus seinem Werk „Arabella“.

„Für manche ist es kein leichter Schritt, freiwillig in den Knast zu gehen“, sagte Klaus Brabänder grinsend zu den Menschen im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses. Beinahe 100 Krimi-Fans waren der Einladung des St. Ingberter Literaturforums (ILF), der Stadtbücherei St. Ingbert und des Kulturamts in die Alte Bahnhofstraße 11 gefolgt, um im Rahmen der Reihe „Kultursommer in der JVA“ den saarländischen Krimiautor live zu erleben.

„Krimi im Knast“ passte somit wie die Faust aufs Auge. Auch, wenn die Justizvollzugsanstalt längst außer Betrieb ist. Für Brabänder war es die erste Lesung seit über viereinhalb Monaten, da wegen Corona keine Veranstaltungen mehr stattfinden durften. Gut gelaunt gab sich der Autor, als er anfangs Jürgen Bost, den ILF-Vorsitzenden, genauso scherzhaft als „Knastbruder Jürgen“ wie Tanja Endres-Klemm, die musikalische Begleitung, als „Knastschwester Tanja“ bezeichnete. „Die Bevölkerung hat sich nicht des kulturellen Lebens entwöhnt“, freute sich Bost. Für den Schriftsteller ist es der siebte Roman. Spiesen, gleichzeitig Brabänders Wohnort, ist ein wichtiger Ort in der Handlung des aktuellen Krimis „Arabella“. Papageien spielen auch eine große Rolle.

„Das Buch ist zu hundert Prozent ein saarländisches Produkt“, versicherte der im Ruhestand befindliche Bauingenieur den Besuchern. Und damit meinte er nicht nur den Marpinger Verlag Edition Schaumberg. Nein, die Hauptdarsteller sind nicht nur reale Personen – sie reisen dem Autor gar zu seinen Lesungen nach, erklärte Klaus Brabänder. Die 317 Seiten befassen sich vordergründig mit der Familie Hammerschmitt. Die skurrilen Vier sind in Neunkirchen-Furpach ansässig. „Die Familie ist wirklich heftig“, betonte der Verfasser. Vater Paul ist ein Miesepeter, Sohn Lazarus recht einfältig, Bruder Richard ist den Drogen verfallen und Mutter Isabella hat nur ihre Papageien im Sinn.

„Machen Sie sich auf einiges gefasst. Das wird kein Zuckerschlecken“, beschrieb der Arabella-Autor den Inhalt. Denn das Ehepaar lebt nicht lange. Doch, was ist aus den Papageien geworden? Paul, der als Ingenieur in der Weltgeschichte herumkam, leidet an den Spätfolgen einer Tropenkrankheit. Isabella führt das darauf zurück, dass er es mit der Treue nie so genau genommen habe. Nachbarn der Hammerschmitts sahen kurze Zeit später, dass - obwohl ein Vorhang den Blick darauf verhindern sollte - in deren Garten eine Kuhle ausgehoben wurde. Ein Grund dafür, dass eine den Freund von Marion beiläufig auf das Ganze aufmerksam macht. Nach einer Theateraufführung ist es Josch Schaum, dessen Neugierde geweckt beim Champagner beiläufig wird. Der Ex-LKA-Beamte ist zwar seit zwei Jahren im Ruhestand, kann aber von seiner bisherigen Profession auch irgendwie inoffiziell nicht lassen.

Er recherchiert zunächst in Kirkel-Limbach, wo eine Frau, die in das Ganze verwickelt sein soll, eine Tierhandlung betreibt. Das ist jedoch nicht mehr aktuell. Das Geschäft ist abgebrannt. Auch am Hauptsitz in Leidingen kommt Schaum nicht so richtig weiter. Doch der Maire dort macht es spannend und deutet etwas von früheren Ereignissen an. Derweil geht Siegfried Klemm mit seinem Hund Wolfi in Kirkel im Dunkeln Gassi. Das Tier findet im Busch eine Leiche. Beim LKA finden Recherchen beim Neunkircher Zoodirektor wegen der Papageien statt. Norbert Fritsch schätzt den Wert der Tiere auf bis zu 500 000 Euro. Auch LKA-Mitarbeiter Mario Sorg ist nun in Wallerfangen auf Spurensuche. Später macht bei einer Feier die Gesellschaft Joschs Freundin Druck, dass dieser sie mal endlich heiraten soll. Wieder eine reale Parallele: Auch Klaus Brabänder ehelichte im letzten Jahr seine Lebensgefährtin Marion Reichrath. Diese sorgte bei der Lesung für die Geräusche im Hintergrund, während Klangkünstlerin Tanja Endres-Klemm mit ihren Instrumenten die Spannung musikalisch verstärkte.