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Leserbrief zur Serie Geschichte der Seuchen in der Region

Leserbrief aus St. Ingbert : Bischöfe wurden verwechselt

Seuchen in Region

Mit Vergnügen habe ich den Artikel Ihres sagenkundigen Autors gelesen. Dennoch muss man eine Kritik anbringen. Der Autor ist leider wie mancher andere (vor allem im Saarland) der Verwechslung beziehungsweise Gleichsetzung der beiden von den Daten her nicht weit auseinanderliegenden Bischöfen Arnulf († 641), eines Stammvaters der Karolinger, und des Bischofs Arnu-ald (später auch verkürzt Arnold, Arnald), ca. 601-609, Neffe und Nachfolger des fränkischen Magnaten und späteren Metzer Bischofs Agiulf, der ebenfalls aus einer bis in den Süden Frankreichs begüterten Familie stammte, zum Opfer gefallen. Der hl. Arnuald ist der Patron der Stiftskirche St. Arnual (lat. ecclesia Sancti Arnualdi) und damit auch Namensgeber des Saarbrücker Stadtteils St. Arnual. Die Namen Arn-uald und Arn-ulf klingen zwar ähnlich, sind aber zwei völlig unterschiedliche germanisch-fränkische Namen. Das lässt sich – auf echten Quellen bereits des 8. Jahrhunderts beruhend – in jeder ‚Geschichte der Stadt Metz‘ oder ‚Histoire de Metz‘ nachlesen, aber auch zum Beispiel in der modernen und zuverlässig aus den Quellen gearbeiteten, standardmäßigen ‚Geschichte der Stadt Saarbrücken‘, hg. v. Rolf Wittenbrock, Saarbrücken 1999, Bd. 1, S. 127f. Seit den Tagen Karls des Großen sah man mittels gefälschter Genealogien diesen Bischof Arnoald auch als einen Stammvater der Karolinger neben Arnulf an. Eine weitere späte Abstammungslegende dichtete ihm die Abkunft von einem marchio (Markgrafen) Arnold an, die sich in der barocken Abbildung im Artikel zeigt: Weder gab es im frühen 7. Jahrhundert den Begriff des Markgrafen noch gab es Adelswappen, wie es in fantastischer Manier die Abbildung zeigt, unter Integration der französischen Lilien, die angeblich auf den merowingischen Gründer Chlodwig des Frankenreiches zurückgehen: Seit Karl dem Großen legte die karolingische Familie Wert auf die (erfundene) Abstammung von den Merowingern und benannte immer wieder Söhne mit den merowingischen Namen Chlodwig/fränk. Ludwig und (nach einem Sohn Chlodwigs) Chlothar/ fränk. Lothar. Sogar Lothar-ingien, Lothringen, Lorraine heißt nach einem solchen Lothar.