Leckeren Pilzen auf der Spur

Hassel. "Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an", heißt es in einem Gedicht. Nicht nur die Blätter werden bunt und sind teilweise schon der Schwerkraft erlegen, sondern es ist auch Kastanien- und natürlich Pilzzeit. Noch vor ein paar Jahrzehnten galten Pilze als Pflanze, heute bilden sie eine eigenständige Gruppe

Hassel. "Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an", heißt es in einem Gedicht. Nicht nur die Blätter werden bunt und sind teilweise schon der Schwerkraft erlegen, sondern es ist auch Kastanien- und natürlich Pilzzeit. Noch vor ein paar Jahrzehnten galten Pilze als Pflanze, heute bilden sie eine eigenständige Gruppe. Das größte Lebewesen der Welt ist ein Pilz, in Form von Medikamenten kann er Leben retten, aber aufgrund seines Giftes auch tödlich sein. Grund genug, sich am vergangenen Samstag einer Wanderung mit Pilzkennerin Elisabeth Hoffmann anzuschließen, und zu schauen, was sich denn so alles in den heimischen Wäldern finden lässt. Begrüßt wurden die rund 20 Teilnehmer von Jakob Schwarz, dem Leiter der Hasseler Volkshochschule, der die Exkursion organisiert hatte.Mit Messern, Körben und Fotoapparaten ausgerüstet, folgte man der Expertin, die sich seit rund 30 Jahren mit den einzigartigen Lebewesen befasst. Schon zu Beginn dämpfte Hoffmann die Erwartungen der Gäste: "Früher gingen die Leute mit vollen Körben nach Hause. Das kommt so gut wie nie mehr vor." Weltweit soll es rund 100 000 verschiedene Arten von Pilzen geben, davon allein 5500 in Europa. Wobei die Zahlen nicht wirklich feststehen, denn immer wieder werden neue, bisher unbekannte Pilz-arten entdeckt. Manche davon sind nur mit dem Mikroskop auszumachen. Aber das sind nicht diejenigen, derentwegen Pilzliebhaber am Wochenende "auf die Pirsch" gingen.

"Bei uns gibt es rund 150 heimische, essbare Pilze. 100 Arten sind Giftpilze, davon 20 potentiell giftig. Zumindest diese sollte man kennen. Köstlich sind rund 50, wenn man sie denn findet", so Hoffmann. Ja und das wollten die Sammler schon, die ungeduldig auf den Beginn der Wanderung warteten. Doch zunächst kamen sie gar nicht weit, denn die ersten "pilzigen" Exemplare standen schon in Sichtweite. Da gab es gelbe, kleine, komplett violette "Gesellen" oder auch grüne und weiße, mit Lamellen oder mit Röhren. Anfassen, riechen oder auch mal einen "Stiel" durchbrechen - es gab verschiedene Methoden, dem Pilz auf die "Kappe" zu rücken und ihn zu bestimmen.

Giftig oder doch essbar? Flämmlinge, Milchlinge, Schleierlinge, der rosa Rettichhelmling, Stockschwämmchen, Steinpilze, Maronen, gelbe und grüne Knollenblätterpilze, Herbstrotfußröhrling, der gefleckte Rübling, der violette Lacktrichterling, der purpurpilzige Holzritterling waren nur einige der gefundenen Sorten. Farben- und Namenvielfalt überraschten diejenigen, die sonst mit sechs Pilzsorten den Wald verlassen. Einmal mit Basiswissen gefüttert, hatte die Gruppe aufgrund des erwachten "Jagdinstinktes" Mühe, sich wieder zu finden.

Doch womit am Anfang wohl niemand gerechnet hatte: bei den meisten Körben war zumindest der Boden gut gefüllt. Die Pilze wurden von der Expertin bestimmt und die Pilzliebhaber nicht ohne den Hinweis entlassen, dass die die Pilze direkt zu verarbeiten seien, "denn die meisten ,Pilzvergiftungen kommen nicht von der Giftigkeit der Pilze, sondern von Lebensmittelvergiftungen, weil die Pilze nicht mehr gut waren und zu lange mit dem Verzehr gewartet wurde".

Unter dem Pilz versteckt sich so manch schleimiger Geselle, der gerne mitisst, denn auch "Schneckchen wissen, was gut schmeckt", wie Elisabeth Hoffmann lachend erzählt. Geschmeckt hat den Teilnehmern auf jeden Fall die leckere Pilzbutter, die es zum Abschluss der dreistündigen Tour aufs Baguette gab. So gingen alle reichlich mit Informationen und mit Pilzen versorgt zufrieden nach Hause.

"Köstlich sind rund 50 Pilz-Arten, wenn man sie denn findet."

Elisabeth Hoffmann, Pilz-Expertin