1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Lebensmittelgeschäfte in St. Ingbert verzeichnen Hamsterkäufe

Kostenpflichtiger Inhalt: Hamsterkäufe halten an : Hygieneartikel und Haltbares sind gefragt wie nie

Umfrage in Corona-Krise: Lebensmittelläden in St. Ingbert stöhnen unter kaufwütigen und nicht immer einsichtigen Kunden.

In den Supermärkten ist derzeit die Hölle los. Ladenchefs haben kaum noch Zeit, um zu telefonieren. Und das aus einem Grund: Selbst die Besonnensten sind vom Coronavirus und seinen Folgen verunsichert. In den Lebensmittelläden setzen Hamsterkäufe Personal und Kundschaft mächtig unter Strom. „Wir haben mehr Kunden, und bestimmte Artikel werden mehr gekauft“, sagt Anne Hoffmann. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Edeka-Marktes in der Spieser Landstraße in St. Ingbert sind Toilettenpapier, Konserven, Nudeln, Mehl und Hefe gefragt wie nie. Und das schon seit inzwischen vier Wochen.

Auch wenn die Einkäufer, am Mühlwald nach wie vor etwa 95 Prozent Stammkunden, sich meist verständnisvoll zeigten, habe man auf die angespannte Situation reagieren müssen. Bei Produkten, die häufig gehamstert werden, gelten Höchstmengen: Pro Einkauf gibt es maximal zwei Packungen bei Klopapier, Konserven, Mehl und Zucker. In dem ohnehin eher kleinen Supermarkt sorgen Markierungen mit Klebeband vor den Kassen für Mindestabstand zwischen den Einkäufern. Hoffmann hat Verständnis für das aktuelle Verhalten, „die Leute haben Angst“. Vorübergehend nicht vorhandene Ware würde aber schnell nachgeliefert. Und wenn sie sich zurzeit etwas wünschen dürfte, dann „ein bisschen mehr Verständnis der Kunden für die aktuelle Lage“.

Auch Tristan Klein, der Geschäftsführer des gleichnamigen Rewe-Marktes in Rohrbach, beschreibt eine „für Kunden und Mitarbeiter angespannte Situation“. Bei wegen Hygiene und Haltbarkeit besonders gefragten Waren gebe es schon mal Engpässe. Dass nur in haushaltsüblichen Mengen eingekauft werde, müsse – mit Rücksicht auf die Mitmenschen – weiter kontrolliert werden. Und zwar von seinen Kassiererinnen und Kassierern.

Ähnliches Bild auch bei Kaufland. „In den vergangenen Tagen wurden in unseren Filialen Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl und Konserven sowie Hygieneprodukte teilweise sehr stark nachgefragt. Daher kann es derzeit bei einzelnen Produkten kurzfristig zu Engpässen kommen“, teilte Anna Münzing von der Unternehmenskommunikation des Unternehmens auf Nachfrage mit. Aufgrund des großen Sortiments sei die Warenversorgung jedoch grundsätzlich gewährleistet. „Unsere Filialen werden laufend mit neuer Ware beliefert, und wir tun selbstverständlich alles dafür, schnellstmöglich die gewohnte Versorgungsqualität herzustellen.“

Mitarbeiter seien für das Einhalten der generellen Hygienemaßnahmen nochmals sensibilisiert und die regulären Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen seien intensiviert worden. „Bis auf Weiteres befüllen wir an den Frischetheken keine Mehrwegbehältnisse von Kunden“, so Münzing. An der Kasse würden die Kunden gebeten, bargeldlos mit Karte zu bezahlen. Zudem werden die Kaufland-Kunden darauf hingewiesen, während ihres Einkaufs zwei Meter Abstand zu anderen Kunden sowie den Mitarbeitern der Märkte einzuhalten. Zusätzlich arbeite Kaufland mit Hochdruck daran, an den Kassen einen Spuckschutz anzubringen.

Auch wenn Timo Lang, Geschäftsführer im Aktiv-Markt an der Oststraße, die verständnisvollen Kunden lobt, beschreibt auch er eine angespannte Lage. „Trotz regelmäßigem Nachschub sind die Regale beim Toilettenpapier, Papiertaschentüchern und derzeit sogar bei der Milch leer.“ Und mitunter unverhältnismäßiges Kundenverhalten sorge für Enttäuschung. Ohne an seine Mitmenschen zu denken, kaufe mancher so viel ein, wie er kriegen kann. Mengenkontrollen versuche man erst gar nicht, „das will ich meinen Mitarbeitern an der Kasse nicht zumuten“. Hinzu kämen spezielle Probleme, so Klein: „Nirgendwo ist derzeit vernünftiges Klebeband aufzutreiben.“ Für eine Absperrmaßnahme, an die sich längst nicht alle hielten.