Landwirte an der Blies sind sauer

Bierbach/Ingweiler. Die Positionen könnten kaum weiter voneinander entfernt sein - und das, obwohl sich alles nur um einen Platz dreht, die Blies in den Auen zwischen Ingweiler und Bierbach. Dort hat das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz im Herbst 2011 auf einer Länge von 3,5 Kilometern und mit rund 50 Einzelmaßnahmen den Flusslauf in Teilen renaturiert

Bierbach/Ingweiler. Die Positionen könnten kaum weiter voneinander entfernt sein - und das, obwohl sich alles nur um einen Platz dreht, die Blies in den Auen zwischen Ingweiler und Bierbach. Dort hat das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz im Herbst 2011 auf einer Länge von 3,5 Kilometern und mit rund 50 Einzelmaßnahmen den Flusslauf in Teilen renaturiert. Doch was die Blies "aus ihrem Korsett" befreien soll, bringt die Anlieger, die Landwirte, die die Nutzfläche bewirtschaften, seitdem in Rage. Schlecht informiert fühle man sich über die Umfänge der Arbeiten, von "überfallartig" ist die Rede. Ärgerlich für die Betroffenen vor allem: Der Verlust von Grund und Boden, ausgelöst durch Ausschwemmungen der Böschung in den renaturierten Bereichen.An der Spitze des Protests steht der Boden- und Wasserverband Einöd, ihm zur Seite der Kreisbauernverband Saarpfalz. Vertreter beider Organisationen trafen sich vor einigen Tagen mit einem Vertreter des zuständigen Landesamtes. Für den Kreisbauernverband beschrieb dessen Vorsitzender Richard Schreiner (Breitfurt) die Situation, in der sich die betroffenen Anlieger emotional und sachlich nun befänden. "Es herrscht Ärger über die Auswirkungen, die diese Maßnahme mit sich bringt. Die Steine, die die Blies jahrzehntelang eingefasst haben, wurden aus der Böschung gelöst und in den Flusslauf gesetzt. Nun kann das Wasser die unbefestigten Böschungen ausfressen."

Was für die Landwirte aber weit mehr als ein Schönheitsfehler ist, ist für das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz genau das Erreichen des durch die Wasserrahmenrichtlinie der EU geforderten Ziels: Gewässern mehr Dynamik und Eigenständigkeit zu geben. Und zu dieser Dynamik gehöre, das machte Jan Meyer, zuständiger Fachbereichsleiter beim Landesamt, gestern deutlich, auch das Verändern des Böschungsverlaufes mit eben den kritisierten Ausschwemmungen. Verbunden mit Steinen und anderen Hindernissen soll so der Verlauf des Gewässers wieder ursprünglicher werden. Diese vollkommen gegensätzliche Beurteilung von Not und Notwendigkeit hatte in den vergangenen Monaten immer wieder zu teils heftigen Kontroversen geführt, bei Adolf Bach, dem ersten Vorsitzenden des Boden- und Wasserverbandes Einöd, war dieser Ärger noch zu spüren. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Schon die Art, wie man uns mit der Baumaßnahme überfallen hat. Und das, obwohl man uns weitgehende Informationen zugesagt hatte." Jan Meyer gestand hier im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass "wir zwar sehr umfassend informiert haben, aber vielleicht noch mehr hätten tun müssen". An der Sinnhaftigkeit der Renaturierung ließ er aber zu keiner Zeit Zweifel aufkommen. "Wir wollen Dynamik im Fluss. Und diese Dynamik war hier in der Bliesaue seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben."

Bleibt die Frage nach einem gangbaren Kompromiss. Mit ihrem Wunsch, die Blies an den renaturierten Stellen wieder mit Steinen zu befestigen, werden sich die Betroffenen wohl kaum durchsetzen können. Aber eine Bepflanzung mit Büschen und Bäumen soll, abgestimmt in Einzelgesprächen mit den Anliegern, besonders betroffene Stellen in der Böschung befestigen. Zusätzlich, so Meyer, arbeite man im Landesamt an Verträgen, die den Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern eine finanzielle Vergütung für verloren gegangenes Land sichern soll. "Es herrscht Ärger über die Aus-

wirkungen."

Richard Schreiner