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Landtagspräsident Toscani: Vom Bohren dicker Bretter

St. Ingbert : Für Toscani schließt sich ein Kreis

Stephan Toscani erhielt 1987 für das landesweit beste Politik-Abitur einen Preis – überreicht vom damaligen Landtagspräsidenten Albrecht Herold. Heute ist Toscani selbst Präsident des saarländischen Landtags.

„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Der Satz fiel 1919 in dem Vortrag „Politik als Beruf“ des Soziologen Max Weber. Ein berühmter Satz, auf den sich der Saarpfälzer Stephan Toscani (CDU) schon oft in seinen Reden bezog. Am 1. März hat er seiner politischen Karriere eine weitere Stufe hinzugefügt. Er ist nicht Ministerpräsident geworden, wie mancher vorhersagte. Aber die Abgeordneten des saarländischen Landtages haben ihn einstimmig zu ihrem Präsidenten gewählt. Dafür sorgte wohl die Überzeugung vieler, dass Toscani als Person für eben jene Integrationskraft steht, die ihm das Amt des Präsident eines Parlaments im Grundsatz abverlangt.

Was im Zusammenhang mit Toscanis Wahl bislang unerwähnt blieb: Als der Saarpfälzer 1986 am Von der Leyen-Gymnasium in Blieskastel sein Abitur gemacht hat, erhielt er den damals zu verleihenden Preis für das beste Abitur im Leistungsfach Politik: eine vom saarländischen Bildhauer Hans Schröder geschaffene Büste – quasi für den Schreib-, Studier- und Lebenstisch. Eine Gestalt, die erfolgreich eine harte Wand durchbohrt. Diese überreichte ihm für den Landtag des Saarlandes dessen damaliger Präsident, der St. Ingberter Albrecht Herold (SPD). „Ich erinnere mich sehr gut an die Preisübergabe“, sagt Toscani und lächelt, „auch wenn es jetzt schon ein Weilchen her ist“.

Bei seiner Wahl Anfang März habe ihn Herold daran erinnert, dass er ihm damals den Preis überreicht hat. Da sie beide aus dem Saarpfalz-Kreis kommen, sind sie sich immer wieder begegnet. „Saarpfälzische Begegnungen“, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt gewesen wären. Obwohl parteipolitisch andersfarbig. Und obwohl beide mit unterschiedlichen Lebensläufen: Herold, der gelernte Dreher, der sich seit 1946 als Gewerkschaftsfunktionär engagiert hat und Toscani, der nach Abitur und Bundeswehr das Studium der Rechtswissenschaften mit Prädikat abgeschlossen hat. „Ich schätze Albrecht Herold sehr“, sagt Toscani: „Ein Gewerkschafter mit der speziellen Gabe, die Dinge ganz einfach auszudrücken und auf den entscheidenden Kern zu bringen.“

Und wie am 1. März bei seiner Wahl zum Landtagspräsidenten, gratulierte Herold Toscani bereits 31 Jahre zuvor, am 18. März 1987, für das beste Politik-Abitur. „Ungewöhnlich war“, erinnert sich Herold, „dass er darum gebeten hat, noch ein paar Worte sagen zu dürfen“. Es sei, so Herold, ein bisschen mehr geworden. Sodass dieser sich ebenfalls noch einmal an die Gäste wandte: „Diesen jungen Mann werdet ihr hier in diesem Haus schneller wiedersehen als ihr glaubt“, erinnert sich der 88-Jährige an seine Worte, „man hat gespürt, dass er sich nicht nur gut vorbereitet, sondern dass er das, was er gesagt hat, gelebt hat“.

Für Toscani stand aber keineswegs fest, die Politik zum Beruf zu machen. Gerade das Abitur in der Tasche und bei der Bundeswehr, hatte sich der damals 20-Jährige für ein Jurastudium entschieden. „Aber eher mit dem Gedanken, danach irgendeinen klassischen juristischen Beruf auszuüben“, sagt er. Politik sei damals – als Beruf jedenfalls – weit weg gewesen. Weil eben auch viel von Zufällen und Fügungen abhänge. „Als ich für den Landtag kandidiert habe, hatte ich Glück, weil mit Christel Steitz von der CDU eine Abgeordnete, die lange Jahre den Saarpfalz-Kreis vertreten hat, ausgeschieden war. Sonst hätte es vielleicht nicht auf Anhieb geklappt“, sagt er. Ebenso wenig vorhersehbar war wohl der Umstand, dass Landtagspräsident Klaus Meiser (CDU) über die Affäre des Landessportverbands gestolpert und im Februar zurückgetreten ist.

Dennoch: Herolds Ankündigung aus dem Jahre 1987 sollte zwölf Jahre später eintreten. Im Alter von 32 Jahren wurde Toscani 1999 in den saarländischen Landtag gewählt. Seitdem hat er viele Bretter gebohrt, ob als Justiz-, Innen-, Europa- oder Finanzminister des Saarlandes. Wie etwa bei den Verhandlungen um die Neuordungen der Bund-Länder-Finanzen. „Das war schon ein ganz, ganz dickes Brett“, sagt er, „eines der zentralen Themen der letzten Legislaturperiode, die mit Blick auf die Zukunft des Saarlandes gut gelöst wurden“.

Oder etwa beim Langzeitthema der „europäischen Rolle des Saarlandes“ und der nicht enden wollenden Frage, „was können wir tun, um unsere europäische Rolle, unseren deutsch-französischen Auftrag auch zu leben“, sagt Toscani.

Als Präsident des saarländischen Landtages wird er in Zukunft andere Hölzer bearbeiten als noch als Minister im Kabinett. „Das ist jetzt eine andere, aber reizvolle Aufgabe“, sagt Stephan Toscani. Schon in seiner Antrittsrede machte er deutlich, den Landtag zu einem noch spannenderen Ort machen zu wollen, damit „die Saarländer den Landtag noch stärker als ihr Parlament empfinden“, meint er. Aufgaben jenseits des Tagesgeschäfts einer Regierungs- oder Koalitionsarbeit, aber auch eine Chance, sich mit Grundsatzfragen zu beschäftigen. „Insofern“, sagt er, „sind es andere Bretter, die man bohrt“.