Landschaft zu römischer Zeit

Reinheim. Voll besetzt war der Vortragssaal des Informationszentrums des Europäischen Kulturparks in Reinheim, als Dr. Peter Haupt von der Uni Mainz über die Entwicklung der Kulturlandschaft des Bliesgaus rund um den Europäischen Kulturpark referierte

Reinheim. Voll besetzt war der Vortragssaal des Informationszentrums des Europäischen Kulturparks in Reinheim, als Dr. Peter Haupt von der Uni Mainz über die Entwicklung der Kulturlandschaft des Bliesgaus rund um den Europäischen Kulturpark referierte. Für die Zuhörer war zunächst einmal interessant, mit welcher Methodik man diese Entwicklung untersuchen kann, zumal es zeitgeschichtlich kaum literarische Quellen gibt, die man hierzu befragen könnte.Den Besuchern der Veranstaltung stellte sich die Frage: Wie sah das Bliestal zur Römerzeit aus? Braucht man nur moderne Bauten weg- und römische hinzusetzen, zumal aus den Ausgrabungsergebnissen der letzten Jahrzehnte einiges über die Besiedlung ausgesagt werden kann? Der Referent wies darauf hin, dass die Rekonstruktion einer antiken Kulturlandschaft erheblich komplizierter, aber doch nicht unmöglich ist. Mit modernen landschaftsarchäologischen Methoden lässt sich sogar der Wandel der Kulturlandschaft beschreiben. Durch den Vortrag von Andreas Stinsky über die Besiedlung des Bliesgaus wussten die interessierten Besucher bereits, dass es in regelmäßigen Abständen sogenannte villae rusticae gab, die auch Aufschluss über die Parzellierung des Landes zur Römerzeit geben.

Haupt wies allerdings auch darauf hin, dass es die im römischen Reich nördlich der Alpen oft angewandte Parzellierung in Einheiten der Größenordnung 700 mal 700 Meter so wohl nicht gab. Die moderne Landschaftsarchäologie benutzt hierzu insbesondere Luftaufnahmen, aus denen sich die möglichen Aufteilungen ersehen lassen. Dr. Haupt wies darauf hin, dass schon zu diesen Zeiten die Parzellierungen quer zu den Abhängen üblich waren, um mögliche Erosionen der Hänge zu vermeiden. So war auf schriftlich fixierten Anweisungen aus der Römerzeit sogar die Pflugrichtung vorgeschrieben. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass in unserer Region eigentlich immer die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes überwog.

Von der Tierhaltung zur Römerzeit ausgehend ist es naheliegend, dass unsere Landschaft schon zur Römerzeit so ausgesehen muss. Denn überwiegend wurden Schweine, Schafe und Ziegen, sowie Rinder als Knochenreste bei den Ausgrabungen gefunden. Da Schweine insbesondere durch Eichelmast großgezogen wurden, kann man davon ausgehen, dass auch damals schon Eichen- und Buchenwälder bei uns vorhanden waren. Schafe, Ziegen und Rinder waren vermutlich mehr als Weidevieh unterwegs, was freie Flächen und Lichtungen erforderlich machte.

Da auch Ackerbau für den Getreideanbau, insbesondere Dinkel, betrieben wurde, zog der Referent den Schluss, dass sich unsere Landschaft wohl im Laufe der Jahrtausende nur unwesentlich verändert habe. Der Vorsitzende des Fördervereins des Europäischen Kulturparks, Lothar Kruft, bedankte sich im Namen der archäologischen Leitung des Parks und im Namen des Vereins für diesen interessanten Nachmittag. Die Reihe der Vorträge im Kulturpark soll am letzten Sonntag des Monats Juli ihre Fortsetzung finden. red