Kunterbunte Strickwaren vertreiben Wintertristesse vom Schulhof

Kunterbunte Strickwaren vertreiben Wintertristesse vom Schulhof

Mit Selbstgestricktem kargen Stellen im öffentlichen Raum zu Leibe rücken, das gibt es jetzt auch in St. Ingbert. Eine Gruppe der Freiwilligen Ganztagsschule am AMG hat sich ans Stricken gewagt. Und nicht nur Mädchen.

. Der Winter kommt mit großen Schritten näher. Die langen Abende bieten vielen Handarbeitsfans Gelegenheit, ihre Liebsten mit Selbstgestricktem zu versorgen. Doch was ist, wenn alle Verwandten mit Socken, Schals und Handschuhen eingedeckt sind? Wie wäre es mal damit, ein Fahrrad, ein Auto, eine Ampel oder einen Baum mit Handgefertigtem zu "verwöhnen"? Kann man sich nicht vorstellen? Gibt's aber.

Das aus Texas rübergeschwappte "Strickereignis" nennt sich Guerilla-Stricken oder "Urban Knitting" und ist nichts anderes als Stricken (oder Häkeln) für den öffentlichen Raum. Besonders beliebt sind Baumkleider. So ein kunterbunter textiler Überwurf macht was her und zaubert den Passanten ein Lächeln ins Gesicht.

Auch in St. Ingbert ist die bestrickende Idee angekommen, wurde bereits im Lottenhammer und in der Gartenstraße gesichtet. Adieu Wintertristesse, das dachte sich auch Doris Ducke-Sellen, die eine Gruppe der Freiwilligen Ganztagsschule am Albertus-Magnus-Gymnasium betreut. Die gelernte Designerin probiert viel aus und führte das Stricken als sinnvollen Zeitvertreib ein. Und das nicht nur für die Mädchen unter den 30 Teilnehmern, die das Strick-Projekt im Laufe eines Jahres bereichert haben. Auch drei Jungs wurden im Umgang mit Strickmühle oder -liesel, Strickapparat oder klassisch mit Nadeln unterwiesen. Sie lernten, dass es auch nur mit den Fingern möglich ist, Strickarbeiten anzufertigen. Die kleinen Handwerker wurden in die unterschiedlichsten Techniken eingeweiht und arbeiteten mit verschiedenen Wollstrukturen. Sie verstrickten sich so in ihre Tätigkeit, dass nicht nur Schals und Mützen für sie selbst, sondern schon mal ein Topflappen für die Mama herauskam.

So war es bei Isabelle, die mit der Strickliesel sogar eine Tasche fertigte. Die ebenfalls zehnjährige Elena hatte vorher bereits ihrer Oma auf die Finger geschaut und strickt schon etwas länger. Für Fabian war es eine ganz neue Erfahrung. Sein Hobby wird es sicher nicht, aber der eher umtriebige Dreizehnjährige schaffte es hoch konzentriert, seine großflächige Arbeit fehlerfrei zu stricken. Sauer ist er nur, dass jemand aus der fast fertigen Arbeit die Nadeln rauszog. Stricken und Häkeln konnten die Kinder nun, doch erst spät erfuhren sie von dem Plan, ein Winterkleid für einen Baum zu schaffen. Die vielen einzelnen Arbeitsproben wurden an einem Nachmittag zusammengenäht, dem Baum umgelegt, noch ein paar Bommeln an seine Zweige gehängt und fertig war das vorweihnachtliche Schmuckstück, das sich nun vor den Räumlichkeiten der FGTS bewundern lässt.

Auch Marika Flierl und Wolfgang Vogelgesang als Geschäftsführer der Trägergesellschaft der FGTS, der Gesellschaft für Beschäftigung und Qualifizierung, staunten über den Winterschmuck der Kastanie. "Wir greifen Strömungen auf und gehen mit der Zeit. So toll kann traditionelles Handwerk neu interpretiert werden", sagt Flierl und setzt hinterher: "Die Freiwillige Ganztagsschule ist noch für einige Überraschungen gut."

Vielleicht können sich ja demnächst noch andere "Objekte" in St. Ingbert mit einer handgefertigten Umhüllung schmücken. Wollspenden für weitere pfiffige Ideen sind bei den Kindern und Betreuern der FGTS jedenfalls immer willkommen.