Kunst-Geschichte in historisierender Absicht

Kunst-Geschichte in historisierender Absicht

Am 10. Mai 1915, also vor 100 Jahren, starb Albert Weisgerber an der Westfront. Zu Ehren des St. Ingberter Meistermalers und Leutnants finden deshalb einige Veranstaltungen statt. Eine davon ist ein Vortrag zu dem Thema: Albert Weisgerber und der Weltkrieg.

Der Ortsrat St. Ingbert-Mitte lädt am 8. April, um 19 Uhr im Rahmen der Veranstaltungen zum Weisgerber-Jahr 2015 zu einem Vortrag über Albert Weisgerber . Das Thema: Weisgerber und Weltkrieg: Kunst-Geschichte in historisierender Absicht. Albert Weisgerber starb am 10. Mai 1915 an der Westfront, als er mit seiner Kompanie Stellungen von den Engländern zurückerobern sollte. Das noch so viel versprechende Künstlerleben des Meistermalers aus St. Ingbert endete jedoch bereits zehn Monate zuvor.

Anders als viele seiner Freunde und Kollegen, die ähnlich wie er mit Zuversicht oder gar Begeisterung in den Krieg gezogen waren, weigerte sich Weisgerber standhaft, als Soldat auch nur noch einen einzigen Pinselstrich zu tun. Und das, obwohl es doch gerade die existenziellen Fragen des menschlichen Daseins waren, die Weisgerbers Kunstschaffen so offenkundig angetrieben hatten, Fragen, die in seinem Werk geradezu physisch nachvollziehbar bleiben. Während viele Maler der klassischen Moderne vom Krieg den Übergang in eine "neue Kultur" erhofften oder (später) das erlebte Grauen in Farben und Formen zu verarbeiten suchten, wollte Weisgerber nach Beendigung seiner soldatischen Pflichten nur "einfach" dort weitermachen, wo er im Sommer 1914 aufgehört hatte. Weisgerbers Tod vor 100 Jahren und seine (letzte) Lebenszeit in Uniform geben nicht nur Anlass, um an einem besonderen Beispiel nochmals über die Rolle der Künstler im Ersten Weltkrieg nachzudenken. Es ist auch die richtige Gelegenheit, um Werk, Leben und Nachleben des saarländischen Ausnahmekünstlers stärker als bisher üblich in historischer Perspektive zu betrachten.

Rencontre mit Adolf Hitler

Dabei gerät auch jene zufällige Kriegsbegegnung in den Blickpunkt, die von der offiziellen (Kunst-) Geschichtsschreibung am liebsten verschwiegen wird. Eigentlich grundlos: Denn natürlich beeinflusst die Tatsache, dass zur Kompanie des Leutnant Weisgerber auch ein Meldegänger namens Adolf Hitler gehörte, weder unser Urteil über sein Werk noch das über sein kurzes Leben. Dagegen kann das "unheimliche" Rencontre zwischen dem Maler und dem Massenmörder sehr wohl einen großen historischen Gedankenraum öffnen, in dem noch viele Fragen zu beantworten sind. Wie vielfältig und wie aktuell solche Fragen sind, beweist nicht zuletzt das Erbe Albert Weisgerbers, wenn auch heute noch Probleme der Restitution bei einigen seiner Bilder diskutiert werden.

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