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Kreiskrankenhaus St. Ingbert erarbeitet Behandlungspläne für Saarpfalz-Kreis

Pläne für kommenden Patientenansturm : Das Kreiskrankenhaus steht vor großen Herausforderungen

Auch die saarpfälzischen Klinik in St. Ingbert bereitet sich auf die Behandlung von Corona-Patienten vor. Nicht alle Maßnahmen sind populär.

Im Kreiskrankenhaus in St. Ingbert wird derzeit vieles umorganisiert. Man bereitet sich auf die Behandlung einer möglicherweise dramatisch erhöhten Zahl von Corona-Patienten vor. Der Hauptteil der Patienten und Besucher hat Verständnis für diese Vorsichtsmaßnahmen, die das Krankenhaus St. Ingbert wegen des Corona-Virus letzte Woche treffen musste. „Dennoch gab es auch Fälle, in denen sich Patienten mit ihren Familien in unserem Park getroffen haben oder in Gruppen zum Rauchen zusammenstanden. Das geht natürlich nicht“, erklärt der Geschäftsführer Thorsten Eich. Der Park musste daher komplett abgesperrt werden. Patientenbesuche im Kreiskrankenhaus und der geriatrischen Klinik seien nur noch in begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Viele aktuelle Patienten gehören zur Risikogruppe und würden eine entsprechende Erkrankung unter Umständen nicht überleben.

Dem Krankenhaus stehen seit neuestem aber noch viel weitreichendere Maßnahmen bevor, denn Eich rechnet in den nächsten Wochen mit einem Ansturm von Corona-Infizierten. Das Gesundheitsministerium hat nun eine neue Strategie für das Saarland entworfen. Die schwersten Corona-Fälle sollen in drei festgelegten Schwerpunktzentren behandelt werden: dem Winterberg Krankenhaus Saarbrücken, der Uni-Klinik Homburg und der SHG Klinik Völklingen. Zusätzlich werden saarlandweit verteilt sechs weitere Kliniken vorübergehende „Corona-Krankenhäuser“, zu denen auch das Kreiskrankenhaus St. Ingbert gehört. Um die Patienten ohne Infektion von den Infizierten zu trennen, sollen Corona-Patienten nur in diesen Schwerpunkt-Häusern behandelt werden.

„Wer also eine Blinddarm-Not-OP braucht und mit Corona infiziert ist, würde dann zu uns oder einem der anderen fünf Spezialstandorte kommen. Wer nicht infiziert ist, kommt in ein Corona-freies Krankenhaus“, macht Eich klar. Die richtig schweren Fälle, bei denen zum Beispiel ein Organversagen oder schwere Vorerkrankungen zu Covid-19 dazu kommen, würden in eines der drei Hauptzentren kommen. „Wir sowie die anderen fünf ‚mittleren Zentren’ behandeln nur Corona-Fälle auf Level 2, also mit mittelschweren Symptomen.“

Schon letzte Woche wurden alle OPs, die medizinisch vertretbar verschoben werden können, hinten angestellt, aber die notwendigen Operationen bei schwerer Erkrankung oder Notfällen wurden bisher durchgeführt wie vorher. „Wir wollten auch nach außen kommunizieren, dass sich die Menschen weiter sicher fühlen können. Die neue Strategie sichert sie auch vor einer Corona-Infektion im Krankenhaus. Wir tun alles Menschenmögliche, um der aktuellen Situation gerecht zu werden“, bestätigt der Geschäftsführer. Eich selbst habe auch schon eher unfreundliche Nachrichten erhalten, weshalb er bei der Bevölkerung um Verständnis für die Schutzmaßnahmen und das weitere Vorgehen der Klinik bittet.

Neue Patienten werden erst mal befragt, ob sie in letzter Zeit in einem Risikogebiet waren, zum Beispiel zum Skifahren. Dieses „Screening“ sei notwendig, da so entschieden werden könne, in welche Klinik der Patient eingeliefert wird. „Wir haben eben nicht alles doppelt hier. Also vor allem zur Behandlung von Patienten mit schweren Corona-Symptomen, meistens mit nötiger Beatmung, bräuchten wir eigentlich eine zweite Intensivstation. Daher ist die neue Strukturierung mit den Corona-Zentren eine gute Lösung. Sonst hätten wir hier vor Ort quasi eine zweite Intensivstation errichten müssen, um die Infizierten von den Nicht-Infizierten zu trennen“, erläutert Thorsten Eich. Dennoch müsse man nun aufrüsten, vor allem Beatmungsgeräte anschaffen, die nun schnell geliefert und so bald wie möglich in Betrieb genommen werden sollen.

Ein Zeichen von Hoffnung sei die gute Zusammenarbeit mit der St. Ingberter Stadtverwaltung sowie mit der Reha-Klinik in Blieskastel. „Wir arbeiten zusammen einen Plan aus, wie wir die Corona-Patienten im Saarpfalz-Kreis alle versorgen können“, sagt Eich. Es soll auch eine Art eigenes Abstufungssystem erstellt werden: Da aktuell deutschlandweit Operationen wie zum Beispiel am Knie oder der Einsatz von künstlichen Hüftgelenken verschoben werden, hat die Klinik Blieskastel auch zwangsläufig weniger Patienten, die zur Reha kommen.

 „So haben wir die Möglichkeit, die schweren Intensivfälle, die auch beatmet werden müssen, hier in St. Ingbert zu versorgen. Patienten, die schon ausgeheilt sind, würden dann in unsere geriatrische Reha-Klinik kommen, bis sie entlassen werden können. Falls diese dann nicht nach Hause oder zurück in ein Seniorenheim können, würden sie dann in eine Art ambulante Pflege in die Reha-Kliniken in Blieskastel kommen.“ In ganz Deutschland mache man solche Pläne, denn man müsse kreativ werden – im Kampf gegen eine Epidemie, die das Gesundheitssystem in diesem Ausmaß noch nie tragen musste.