Kostbare Scherben im Blickpunkt

Es sind Funde, die mit Geschichten verbunden sind: Auf Schloss Karlsberg schätzte man einst Porzellan und Fayencen. Im Foyer der Kreisverwaltung ist eine Auswahl an Scherben diverser Grabungen zu sehen.

Das neue Saarpfalz-Heft und eine kleine Ausstellung im Foyer der Kreisverwaltung widmen sich der Tischkultur auf Schloss Karlsberg. Ein Teller ist durch den Silberlakai Vollenweider zerbrochen worden, der im Dunkeln in ein Loch gestürzt ist, ein weiterer ging durch das Fräulein von Montigny selbst, einer durch ihren Hund zu Bruch. So oder ähnlich lesen sich die Eintragungen im Speyerer Inventar der Karlsberger Silberkammer, das nicht nur zerbrochene, sondern vor allem damals noch vorhandene Schätze auflistet. Es ist tatsächlich interessant, in der Aufzählung zu erfahren, dass sich auf dem Homburger Karlsberg blau bemaltes Porzellan aus Frankenthal befunden hat und zahlreiche Suppenteller aus Meissen und Kaffeetässchen aus Sèvres aufgetischt werden konnten (wir berichteten).

Darüber hinaus schmückte selbstverständlich Porzellan aus Zweibrücken, aber auch solches aus Karlsruhe, Bayern und vor allem weit gereistes Porzellan aus Japan die Tafel. Von den vielen Porzellanfigürchen, die die Desserttafel zierten, ganz zu schweigen. "Die Inventarliste ist sicher aufschlussreich. Noch spannender ist es, die kostbaren Zeitdokumente vor sich zu haben. Sie könnten sicher manche Geschichten erzählen", lädt Landrat Theophil Gallo Interessierte ins Foyer der Kreisverwaltung ein. Das Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises zeigt in einer kleinen Präsentation im Landratsamt eine Auswahl an Scherben diverser Grabungskampagnen der Stadt Homburg und des Kreises selbst.

Auf Schieferschindeln, die im sogenannten Bärenzwinger in der Karlslust einst den Pavillon bedeckten, verbreiten Scherben unterschiedlicher Gefäße aus Wien, Niderviller, Frankenthal, Zürich, Kelsterbach, ja sogar aus Japan und China ihren ganz besonderen Charme. Als einst kostbare Objekte sind sie ein Beweis dafür, wie sehr man Porzellan und Fayencen auf dem Karlsberg schätzte. Die teilweise noch erkennbaren Brandspuren geben, so die Mitteilung der Kreisverwaltung weiter, auch Auskunft darüber, dass Schloss Karlsberg 1793 von den französischen Revolutionstruppen niedergebrannt worden sei. Ergänzend zu den Exponaten, die Jutta Schwan zusammenstellte, erscheint im aktuellen Saarpfalz-Heft 2016/3, herausgegeben vom Amt für Heimat- und Denkmalpflege , ein Artikel zur Tischkultur am Hof Herzog Karls II. August auf dem Karlsberg. Dazu schrieb Christian von Mannlich einst: "An solch reich besetzter Tafel mäßig zu bleiben, ist nicht leicht." Dies zu glauben, daran ändert auch der kleine versteinerte Seeigel aus dem herzoglichen Naturalienkabinett, der sich in die Ausstellung mogelte, nichts.

Die Scherbe ist ein Original-Karlsbergfund, Frankenthaler Porzellan um 1775. Foto: Jutta Schwan/Saarpfalz-Kreis Foto: Jutta Schwan/Saarpfalz-Kreis

Die Scherben-Schätze aus Schloss Karlsberg sind bis Dienstag, 22. November, im Foyer der Kreisverwaltung während der Öffnungszeiten von 8 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Infos: Jutta Schwan, Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Tel. (0 68 41) 1 04 84 28, E-Mail: Jutta.Schwan@saarpfalz-kreis.de.