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Konzertreihe im ehemaligen Gefängnis in St. Ingbert

Konzert in der JVA in St. Ingbert : Elm F. & The Rooks luden im Gefängnis zum Tanz

In der Mittelstadt hat der Spruch „Ab in den Knast!“ seit letzten Donnerstagabend eine völlig andere Bedeutung. Statt einer polizeilichen Anordnung zur Verhaftung handelt es sich hier aber vielmehr um die neue Musik-Reihe des Stadtmarketings im Innenhof der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Alten Bahnhofstraße 11. Die Location ist nicht neu, da die Initiative WSSI hier bereits seit Jahren ihre „Jailhouse Rock“-Konzerte veranstaltet.

Auch das Kulturamt wird hier, nach einem Test vor einigen Wochen, bald mit seinen „Kultursommer in der JVA“, corona-bedingt, die Flucht aus der Stadthalle ins Freie antreten und dabei Comedy, Lesungen, Musik, Film und Kinderprogramm anbieten. Die Premiere oblag, wie Moderator Wolfgang Blatt meinte, „dem wohl größte Kulturexport der Gemeinde Oberthal“: Elmar Federkeil. Der populäre Schlagzeuger trat mit seiner Formation „Elm F. & The Rooks“ auf. Die Veranstalter hatten nicht nur Glück mit der Stimmung, die schnell auf das mitgroovende Publikum übersprang, sondern auch mit dem um die 30 Grad warmen Wetter. Überhaupt das Publikum: Es gab kaum einen Titel, bei dem die Konzertbesucher nicht mitwippten oder im Sitzen auf dem Stuhl oder daneben im Stehen tanzten. Natürlich mit Mindestabstand. Mithin ein Grund: Der samtweiche Soul-Gesang des Bassisten Andrew Lauer. Der Kalifornier mit Wohnsitz nahe Nürnberg ist das Aushängeschild des Trios und steuerte bereits beim ersten Song ein Solo bei. Zufriedenes Nicken in zahlreichen Gesichtern, wenn man durch die Reihen blickte.

Doch auch Stephan „Funky“ Thielen steht dem in nichts nach und zieht vor allem die Frauen magisch in seinen Bann. Der charismatische Leadsänger, der auch blind die richtigen Tasten seines Keyboards trifft, sorgt nicht nur mit seinen Solis bei Soul und Funk vom Allerfeinsten für Begeisterung. Wenn nicht gerade Andrew Lauer das Publikum zum Mitsingen und -klatschen auffordert. Oder er singt vor und die Besucher antworten. Und dann greifen die Drei ineinander über: Thielen singt „Just the Way you are“ (Billy Joel), Lauers Stimme entfaltet ihr volles Klangvolumen und Federkeil haut mit weit ausladenden Bewegungen in die Drums. „Da hat man fast das Gefühl man sei irgendwo in New York in einem Soul-Keller“, freute sich ein Mann aus Saarbrücken. Zwischendurch sorgt Stephan „Funky“ Thielen für Lacher, wenn er ihm Stehen in die Tasten greift.

Elmar Federkeil berichtete von der aktuellen Lager der Berufsmusiker. Alle Gigs für 2020 wurden wegen Corona abgesagt, so der Drummer. „Wir haben Bock zu spielen. Wir sind heiß wie Frittenfett“, gab er offen zu. Man kann sich dem Groove von „Elm F. & The Rooks“ nicht entziehen. Etwa wie bei Bill Withers „Just the Two of us“ oder bei “Right light the Wind” (Christopher Cross), bei dem sich schlagartig die Zahl der weiblichen Tänzer am Platz erhöhte. Und es kam Zwischenapplaus auf. Gelegenheit für Andrew Lauer, die Leute zum Aufstehen und „Tanz im Knast“ aufzufordern. Das ließen die sich nicht zweimal sagen. „Ihr merkt, der Funky ist für die alten Schinken zuständig“, nahm er den Keyboarder auf die Schippe. Das ließ der sich nicht zweimal sagen und haute in die Tasten, um danach wieder seine ruhige Stimme zu präsentieren. Elmar Federkeil ist zwar im Hintergrund, was seine Stimmpräsens anbelangt. Musikalisch geht aber ohne das „saarländische Unikat“ (Lauer über Federkeil) nichts. Mit „Papa was a Rolling Stone“ verabschiedete man sich bei stehenden Ovationen und Zugabe-Forderungen, die mit „Superstition“ (Stevie Wonder) prompt erfüllt wurde. Wie meinte Moderator Blatt zu Beginn: „Vielleicht können Sie hinterher sagen: Wir waren im Knast und es war toll“. Er hatte es offenbar geahnt.