Kolumne : Lewwaknepp und Lederhosen

Es naht die Zeit der Oktoberfeste. Und mit ihr die Gaudi in Dirndl und Lederhosen. Mit Schweinshax’n, Leberkäs und anderen Schmankerln. Das alles passt zusammen wie der gefüllte Maßkrug zum Toilettenhäuschen: Oans, zwoa, g’suffa.

Den Werbeprospekt zum Ereignis habe ich aus der Metzgerei mitgenommen. Da lag er in einem Stapel auf der Theke, ganz in der Nähe der Weißwurschd. Vorne drauf eine übers ganze Gebiss strahlende bajuwarische Zenzi mit fünf gefüllten Maßkrügen in der Hand. Ja, so ist das, wenn nach Ende des Sommers die ersten dicken Spinnen ins Haus kommen und man sich mächtig davor gruselt, dann heißt’s auch wieder: oans, zwoa, g’suffa.

Es lockt – und nun sind wir beim Inhalt besagten Prospekts – das Oktoberfest in St. Ingbert auf dem Marktplatz vor dem Rathaus am kommenden Wochenende. Wir erinnern uns: Im Jahr 1816 wurde St. Ingbert dem Königreich Bayern zugeschlagen. Vor 100 Jahren jedoch war damit Schluss. Was nicht heißt, dass man nicht gelegentlich ein bisschen neiderfüllt hinüberlinst in das Land der Berge und klaren Seen und der Menschen, die so schöne Sachen tragen. Dirndl, Lederhosen und so was eben. Sich bayerisch zu kleiden, das gehört sich auch beim Besuch der Oktoberfeste, die sich hierzulande in den letzten Jahren doch sehr vermehrt haben. Unseres in St. Ingbert, das geht über drei Tage mit Familien- und Rentner-Special, mit Originalbands des Cannstatter Wasen, Frühschoppen mit Weißbier-Frühstück und anderen Lustbarkeiten.

In so ein Dirndl würde ich mich ja gerne mal hineinzwängen, so was Schickes aber auch. Da wird der Busen zur Veranda. So gekleidet würde ich dann herfallen über die Weißwürschd, Schweinshax’n, Leberkäs und Händl. Also einmal so schlemmen wie die „Fleischitarier“ im gebirgigen Süden der Republik.

Inzwischen ist mir auch eingefallen, warum man passgenau Dirndl und Lederhosen wählt zu all den bayerischen Schmankerl. Was, um Himmels Willen, sollte man denn auch anziehen zu saarländischen Spezialitäten wie Lewwaknepp oder Gefillde? Da fällt mir dann leider auch nichts ein.

Übrigens: Die eklige dicke Spinne, die sich diese Woche ohne Einladung im Hausflur einfand, war in etwa so groß wie eine Untertasse. Naja, beinahe.

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