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Kolumne zur Windkraft-Diskussion in Blieskastel

Wochen-Kolumne für St. Ingbert : Fakten zu Windrädern: gedreht und gewendet

Die Diskussionen um mögliche Windräder im südlichen Blieskastel will sich kaum beruhigen. Interessant ist auch, wer sich daran beteiligt.

Seit vielen Wochen schon tobt in der Biosphäre Bliesgau und natürlich auch in den Leserbrief-Spalten unserer Zeitung die Diskussion um den möglichen Bau von Windkraft-Anlagen im landschaftlich äußerst reizvollen Süden Blieskastels. In der Stadtrats-Sitzung am kommenden Donnerstag wird das ebenfalls wieder ein Thema sein. Unter Umständen wird die Diskussion deshalb so heftig und bisweilen unversöhnlich geführt, weil man bei dem Thema Windkraft so trefflich aneinander vorbeidiskutieren kann.

Dabei sind viele Fakten unstrittig. Windkraft ist eine von mehreren ökologisch sinnvollen Arten der Energiegewinnung. Wir benötigen Energie, und Strom kommt tatsächlich nicht einfach so aus der Steckdose. Und ganz sicher ist eine Biosphärenregion vom Grundgedanken her geradezu prädestiniert für ökologische Energieerzeugung. Diese Fakten wird auch der entschiedenste Gegner der in Blieskastel angedachten Windräder nicht bestreiten, auch wenn es immer mal wieder von den Befürwortern unterstellt wird.

Aber es gibt auch andere Fakten zur Windenergie. Sie ist zum Beispiel ein fettes Geschäft. Es gibt in Deutschland zahlreiche Anlagen, die nie gebaut worden wären, wenn der „grüne Strom“ vom Steuerzahler durch Sonderabgaben auf „konventionellen“ nicht kräftig subventioniert würde. Eigentümer der Grundstücke, auch öffentliche, auf denen die Anlagen stehen, verdienen gut an der Pacht. Kein Energieversorger, auch kein einheimischer, selbst keine Bürgerenergiegenossenschaft, baut ausschließlich der Umwelt zuliebe Windräder, mit denen nichts zu verdienen ist. Die Anlagen werden immer gigantischer, weil in nur 100 Metern Höhe eben kaum genug Wind weht. Bei Bau und Betrieb entstehen Schäden an Flora und Fauna. Und: Immobilien in der Nähe von Windrädern verlieren nicht unerheblich an Wert.

Weitere Fakten rollen erst auf uns zu. Nicht wenige Windräder der ersten Generation laufen jetzt, nach 20 Jahren, aus. Wissenschaftler und Unternehmen suchen derzeit noch nach Wegen, Austausch, Rückbau und/oder Entsorgung wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll hinzubekommen. Reichen die Rücklagen, die Windrad-Betreiber zu diesem Zweck vorhalten müssen, aus, oder wird, wie im Bereich der politisch beendeten Atomenergie, versucht, diese Kosten zu „sozialisieren“? Wer übernimmt im Falle der Insolvenz?

Es gibt also eine Menge Fakten, aus denen sich jeder Diskussionsteilnehmer die ihm genehmen herauspicken kann. Und diese Möglichkeiten werden auch genutzt. Fast nie sind die Argumente falsch, aber eben ausgewählt. Und Fakt ist auch, dass die Blickrichtung der Diskutanten ganz offenbar eine erhebliche Rolle spielt. Aus den Tallagen St. Ingberts, wo bisher der kühnste Unternehmer keinen Windpark planen wollte, oder der Landeshauptstadt oder dem Kreis Saarlouis lässt sich eben trefflicher für Windräder in Blieskastel streiten, als aus Breitfurt, Böckweiler oder Brenschelbach.