Kolumne für St. Ingbert Neues Zeichen im Kampf um Mobilität

Der Radverkehr hat in der Albert-Weisgerber-Allee einen Punktsieg gelandet. Zugleich wird in dieser Straße in St. Ingbert deutlich, wie man gut gemeinte Pläne schlecht verkaufen kann.

Kolumne zur Fahrradstraße in St. Ingbert
Foto: Robby Lorenz

Da sage mal einer, die Fahrradfahrer hätten in St. Ingbert keine Lobby. Mit viel Expertise von Verkehrsplanern, dem Radverkehrskonzept und den Forderungen von ADFC und VCD wird die Albert-Weisgerber-Allee im St. Ingberter Süden kräftig umgestaltet. Und ganz im Sinne der Radler. Was sie stört, kommt in dieser Straße weg. Was sie schützt, wird neu geschaffen. Das macht die Allee zu einem Punktsieg für die Interessen der Fahrradfahrer. Zumal die Interessen der Autofahrer, die hier wie fast überall in der Mittelstadt bisher das Verkehrsgeschehen dominierten, bewusst in die Schranken gewiesen werden.

Aber ganz unabhängig davon, wie man die Pläne in der Albert-Weisgerber-Allee findet, sie erreichten mit Merkwürdigkeiten die Öffentlichkeit. Im vergangenen Jahr wurde vorm Leibniz-Gymnasium die Idee für den Radverkehr und eine durchgängige Tempo-30-Zone nebenbei für die Allee in den Raum gestellt. Dann blieb es monatelang ruhig um die Fahrradstraße. Aber urplötzlich wurde eine Baustelle eingerichtet, die mit „Tiefbau-, Fräs- und Asphaltarbeiten im Kreuzungsbereich Albert-Weisgerber-Allee/Karl-August-Woll-Straße“ angekündigt war. Was die Baustelle tatsächlich bezweckt und dass sie der Auftakt für eine größere Änderung des Verkehrs darstellt, wurde erst im Anschluss verraten. Gute Kommunikation und Bürgerbeteiligung geht anders.

Ansonsten ist die Albert-Weisgerber-Allee ein Beispiel für einen gewachsenen Straßenzug. In ihrem Verlauf ist sie mal Wohn-, mal Durchgangs- oder sogar Schul- und Kita-Straße. Das ist alles andere als einheitlich. Und umso weniger können es deshalb auch die Interessen ihrer Anwohner sein. Für viele ist wohl nach wie vor auch in dieser Straße die mit der zunehmenden Zahl der Pkw gewachsene Sorge um Stellplätze am drängendsten. Im vorderen Teil sind die Parkbuchten für heutige Autobreiten zu schmal, im hinteren Teil provoziert fehlender Parkraum am Straßenrand Ordnungswidrigkeiten. Klar, typische Autofahrer-Sicht. Trotzdem verträgt sich beides nicht besonders mit dem Radverkehr. Zudem drängt sich eine Frage auf. Warum wird gerade die Albert-Weisgerber-Allee zur ersten Fahrradstraße gemacht? Gab es doch hier bereits über weite Strecke Radwege, wie man sie sich an anderen Stellen St. Ingberts gewünscht hätte.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort