Kolumne : Nichts dauert länger als ein Provisorium

Die Verkehrsplanung vorm Leibniz-Gymnasium in St. Ingbert zieht sich inzwiscchen so lange hin, dass es ärgerlich ist.

Noch während der Sommerferien hat der Kreis dem Leibniz-Gymnasium in St. Ingbert ein gutes Zeugnis ausgestellt: Baulich sei man bei dieser Schule derzeit wunschlos glücklich, nachdem in den vergangenen Jahren Millionensummen investiert worden seien, hieß es aus Homburg. Alles andere als wunschlos glücklich sind allerdings die Eltern, Lehrer, Schüler und Anwohner mit der Verkehrssituation rund um die dortigen Schulgebäude. Vor allem vor den Erweiterungsbauten an der Albert-Weisgerber-Allee klafft beim Verkehr eine offene Wunde. Dass ist aber umso verwunderlicher, weil schon lange vor der Verlagerung des Leibniz-Neubaus aus dem Wohngebiet Schmelzerwald an den heutigen Standort klar war: Künftig vermieden werden sollten interne Reibungsverluste durch zwei Schulstandorte und Kosten bei den bereits sanierungsbedürftigen Bauten aus den 1970er Jahren. Aber auch die Proteste, die seit Anfang der 2000er Jahre über den im Schmelzerwald verursachten Schulbus- und Elternverkehr laut geworden waren.

Dass auch dieses Problem an neuer Stelle gelöst werden musste, war also keine Überraschung für Politik und Planer. Doch der Leibniz-Erweiterungsbau war 2013 fertig – ohne neue Bushaltestellen. Ab 2016 besuchten alle Leibniz-Schüler den einen Standort – immer noch bei fehlenden Haltepunkten. Spätestens jetzt hätten in der Albert-Weisgerber-Allee verkehrstechnische Fakten geschaffen werden müssen. Stattdessen wurde weiter intern und extern mit Schule und Bürgern diskutiert, alte Pläne verworfen und neue in Auftrag gegeben. Nur wirklich passiert ist bis heute nichts. Dabei fehlte es nicht an Erinnerungsposten. So wurde mehrere Jahre in Folge auch immer der vordere Bereich der Albert-Weisgerber-Allee mit aufgelistet, wenn in St. Ingbert Bushaltestellen barrierefrei werden sollten. Umgebaut wurden aber stets andere Haltestellen.

Symbol der traurigen Park- und Verkehrslage in der Albert-Weisgerber-Allee ist inzwischen eine mobile Verkehrsinsel. Sie dient, 2017 montiert, als Fußgängerfurt. Doch die nutzen zu Schulbeginn und -schluss nur einige Schüler. Das mobile Stahlmonster ist leider so unattraktiv, dass Fußgänger einen Bogen darum machen. Und so ist die Insel die meiste Zeit des Tages eine Schikane, wie man sie von Rennstrecken kennt. Das Provisorium beruhigt vielleicht den Verkehr, regt aber die Autofahrer auf, die es umkurven müssen. Doch oft ist nichts so langlebig wie ein Provisorium. Selbst wenn’s schikaniert.