Kolumne : Alle reden vom Wetter, ich auch

Auch in kleinen Meldungen stecken manchmal Wendungen mit großem Überraschungspotenzial. So hat hatte eine Kneipe im St. Ingberter Bermudadreieck für Freitagabend ein Konzert angekündigt – und vorsorglich vermerkt: bei Regen in der Gaststätte.

Eine Aussicht, die bei den anhaltenden Rekordtemperaturen und den unerbittlichen Hitzeprognosen bis zum Wochenende so weit weg schien wie der Mond. Damit ich aber nicht falsch verstanden werde: Jedem Freiluftmusiker seien laue Abende und jedem Veranstalter die Hoffnung gegönnt, dass eine Abkühlung – und sei es durch ein Hitzegewitter – das Besucherinteresse steigen lässt. Doch mir ist in diesen Tagen, wo man sich nach jedem Absatz in Artikeln warme Luft zufächeln muss, der Glaube abhanden gekommen, dass alleine der feste Vorsatz, einen kühlen Kopf zu bewahren, der Hitze wirklich Paroli bieten kann.

Da jetzt mein Hitzefrust eh raus ist, kann ich auch komplett kapitulieren. Mein fester Vorsatz „Alle reden vom Wetter. Ich nicht“ ist für dieses Jahr Geschichte. Die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht mit mir erinnern. Dieser Spruch ist geklaut. Und zwar von der guten alten Deutschen Bundesbahn, für die sich eine Werbeagentur in den 1960er Jahren den Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“ erdacht hatte. Eine Generation lang war das ein geflügeltes Wort und immer gut, wenn die Rede aufs Wetter kam. Was ich allerdings völlig vergessen hatte und erst beim Googeln wieder entdeckt habe: Der Werbespruch der Bahn zielte gar nicht auf den vermaledeiten Hochsommer im nichtklimatisierten Abteil, sondern genau auf das Gegenteil. Er war ein eiskalter Winterspruch. Denn in den Zeiten vor dem Klimawandel waren auch in eigentlich gemäßigten Breiten noch nicht die immer neuen Hitzegrade der Schrecken der Menschheit, sondern vereiste Straßen und meterhoher Schnee. Das waren noch Jahreszeiten. Nur der Winter streng und der Sommer auch mal mit einem Schulterzucken für Sonnenanbeter.