Kolumne : Freche Grüße an die Stadt hinterm Mond

Ui Jui Jui Au Au Au!! St. Ingbert hat es in die Määnzer Fassenacht und ins Fernsehen geschafft. Es darf aber gerätselt werden, warum sich ausgerechnet chinesiche Taikonauten bei uns wie auf der Rückseite des Mondes vorkommen sollen.

Früher zählte diese Schunkellied-Zeile einmal zu den goldenen Regeln: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Heute kann man als Journalist aber ohne schlechtes Gewissen Betrachtungen über die Fastnachtszeit bis in die Fastenzeit verlängern. Inzwischen ist das sogar der Trend. Nicht umsonst bildete sich ja ganz Deutschland tagelang eine Meinung über eine schlechten Witz von AKK vom Fetten Donnerstag. Dabei könnte auch der größte Fastnachtsmuffel wissen: Pointen, die man erklären oder erklärt bekommen muss, sind meistens die schlechtesten. Da aber der Klimawandel offenbar auch vor der fünften Jahreszeit nicht halt macht, erlaube auch ich mir zur Unzeit noch einen Blick dorthin, wo das neue Interesse am korrekten Kalauer herkommt: in den Fernsehkarneval.

Denn in der Flimmerkiste aufgeschnappt, kaute ich auch in dieser Woche noch auf einem unverarbeiteten närrischen Rätsel rum. Aufgetan hatte es sich mitten in der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“. Dort wählte der Kabarettist Lars Reichow als Anchorman der „Fastnachtsthemen“ zwei Worte, die einen eher billigen Saarländer-Witz aus Rheinland-Pfalz für mich so richtig heiß machten: Sankt Ingbert. In der Mittelstadt verortete Reichow eine „Meldung“. Und die ging so: Hier sei eine chinesiche Rakete gelandet – und die chinesichen Astronauten hätten zuerst geglaubt, auf der dunklen Seite des Mondes gelandet zu sein. Tata! Tata! Tata! Warum Reichow aber gerade St. Ingbert hinter dem Mond wähnte, blieb offen. Vielleicht hatte sich der Fastnachst-Journalist beim Pointen-Schreiben auf die Schnelle nur an seine St. Ingberter Pfanne oder an die folgenden Auftritte auf den Kleinstkunstbühnen unserer Stadt erinnert. Dabei hätten doch Saarbrücken, Saarlouis oder Saarwellingen den frechen Hieb in unsere Heimat noch flacher gemacht.

Egal wie, Es war irgendwie wieder ein klassischer Saarländer-Moment. Mit der uns in die Wiege gelegten Mischung aus Stolz auf die Heimat und Minderwertigkeitsgefühl wegen fehlender Weltläufigkeit. Wenn St. Ingbert in den bundesweiten Nachrichten Erwähnung findet, heißt das leider nur selten etwas Gutes. Iss schon widder ebbes mit der Josefskerch passiert? Oder ist unser schlechter Ruf als Stadt des politischen Chaos jetzt auch schon über die Landesgrenzen hinaus ins Reich vorgedrungen? Doch halb so schlimm: Auch Scherze von AKK oder über St. Ingbert „versenden“ sich.

Mehr von Saarbrücker Zeitung