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Kolumne von Manfred Schetting zur Talaue Rentrisch

Kolumne für St. Ingbert : Eine Idylle hat Schutz verdient

Die Talaue in Rentrisch ist fast zu schön, um wahr zu sein. Und die Bürokratie liebt Sätze, fast zu geschlängelt, um verstanden zu werden.

Die Talaue Rentrisch gehört zu den schönsten Flecken Erde, die sich im Stadtgebiet von St. Ingbert finden. Und die Stadtverwaltung hatte in dieser Woche genau einen Moment erwischt, in dem die Erholungsoase ihre ganze Pracht entfaltete. Die Erläuterungen zu renaturierten Rohrbach waren unvermutet mein Höhepunkt der Arbeitswoche. Ein beruhigend vor sich hin plätschernder Bach, dessen angenehme Feuchtigkeit an einem hitzigen Sommertag unter die grünen Baumwipfel aufstieg, sorgte für ein traumhaft entspanntes Gefühl. Dem konnte sich keiner der Anwesenden entziehen. Wo sonst Geschäftsmäßigkeit und der Druck der nächsten Termine das Bild bestimmen, einte die Versammelten plötzlich ein Wunsch: weiter entspannt durchatmen und die Seele baumeln lassen. „Hier könnte ich jetzt den ganzen Tag bleiben.“ Wer hat‘s gesagt? Alle.

Nicht nur bei dem naturnahen Rohrbach, sondern auch bei der Nutzung des Naherholungsgebietes scheint alles so zu klappen, wie gewollt. Nicht umsonst wurde im vergangenen Jahr ein Parcours mit Outdoor-Fitness-Geräten geschaffen, und auch die 15 Hinweistafeln am Wasserlehrpfad tragen Erklärungen zu den Themen Trink- und Grundwasser, Wasserkreislauf, Ökosystem sowie Wasserschutzgebiete und werden zurecht immer wieder erneuert. Der Wunsch des Ortsrates von Rentrisch, die Idylle in der Talaue nach Rundweg und Brücke weiter aufzupeppen zu wollen, ist gerade in solchen Wohlfühlmomenten mehr als verständlich. In dem Schutzgebiet, in dem die Saarbrücker Stadtwerke Maßnahmen zur Naherholung stets offen gegenüberstanden, werden aber auch Brunnen und ein Wasserwerk zur Trinkwassergewinnung unterhalten. Damit muss man behutsam umgehen. Und eine Idylle bleibt nur so lange ein harmonisches Ganzes, wie man sie schützt.

Das wird auch passieren, denn mein Vertrauen in die Bürokratie ist nicht nur beim Naturschutz groß. Wer aufgepasst hat, konnte mitbekommen, dass für den geplanten Bau einer neuer Rettungswache am Kreiskrankenhaus ein Ortsschild versetzt werden muss, damit es mit der Zufahrt klappt. Das wurde als Gnadenakt geschildert. Und jetzt weiß man auch, warum. In dieser Woche wurde der Feststellungsbeschluss über die Neufestsetzung von Ortsdurchfahrtsgrenzen im Zuge von Bundes- und Landesstraße bekannt gemacht. Gemäß Paragraf 5, Absatz 4, des Bundesfernstraßengesetzes sowie laut Paragraf 4 saarländisches Straßengesetz und im Einvernehmen mit dem Ministerium für Inneres, Bauen und Sport soll die Ortsdurchfahrtsgrenze auf der Landstraße 112 zwischen St. Ingbert und Elversberg neu festgesetzt werden. Wer das so genau beschreiben kann, findet auch Bestimmungen zum Schutz der Talaue in Rentrisch.