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Kolumne von Manfred Schetting zum Mühlwaldstadion in St. Ingbert

Kolumne zu St. Ingbert : Ganz selten gibt es nur Gewinner

Das Mühwaldstadion ist ein doppeltes Symbol. Zum einen für eine Win-win-Situation, die behutsames Verhandeln ermöglicht. Zum anderen aber für den schnellen und mitunter schmerzlichen Wandel in der Vereinswelt.

Auch wenn im Mühlwaldstadion in dieser Woche niemand das gern gebrauchte Fremdwort in den Mund nahm: Die Spielvereinigung aus Elversberg sowie die Stadtverwaltung und der Sportverein aus St. Ingbert präsentierten eine Win-win-Situation. Also eine Konstellation, die für alle Beteiligten einen Vorteil bietet, der sogar mögliche Nachteile überwiegt. Leider gehört es aber zur Wahrheit, dass sich in einer derartigen wirtschaftlichen Situation selten mehr als zwei gleichzeitig als Gewinner fühlen können.

Der echte Gewinner in Sachen Mühlwaldstadion ist die SV Elversberg. Die hat im Vertrags-Trio die meiste finanzielle und professionelle Power. Viele kleinere Vereine träumen etwa davon, einen neuen Naturrasenplatz anlegen zu können, ohne dafür jahrelang bei Kommunalpolitikern oder Sportplanungskommission um Geld zu betteln. Obendrein stärkte die Verhandlungsposition der SVE, dass sie als einziger Partner ohne Gesichtsverlust von der Stadionnutzung hätte auch Abstand nehmen können. Dass dieser Vorteil nicht ausgenutzt und im Gegenteil sogar auf St. Ingberter Belange erkennbar Rücksicht genommen wurde, ist aller Ehren wert.

Gewonnen haben aber auch die Stadt St. Ingbert und Oberbürgermeister Ulli Meyer. Kurzfristig wurde einem Verein mit beachtlicher, aber jäh endender Tradition geholfen, den Kopf doch noch aus der finanziellen Schlinge zu ziehen. Mittelfristig hat die Stadt zudem einen Imagegewinn. Schon bald weht durch St. Ingbert ein Hauch der für saarländischen Verhältnisse großen Fußballwelt. Langfristig bleibt der Mittelstadt eine Stadionanlage im grünen Band zwischen dem Schwimmbad „das blau“ und der Gustav-Clauss-Anlage erhalten. Und für das Aufhübschen und Fortbestehen des Mühlwaldstadions konnte die Stadt die finanzielle Verantwortung dauerhaft abgeben.

Der SV St. Ingbert hingegen wurde wenigstens nicht über den Tisch gezogen. Er muss aber bittere Wahrheiten im „Wandel der Vereinswelt“ hinnehmen, von dem der OB sprach. Ohne Geld ist Tradition allein längst nichts mehr wert. Weder für Spieler noch für Funktionäre. Die tatkräftigen Mitglieder sind in vielen Vereinen inzwischen dünn gesät. Und wenn sich Leute heutzutage noch engagieren und ihre Freizeit opfern, dann nicht, um ein sinkendes Schiff auf Kurs zu halten. Das Synonym SV St. Ingbert und Mühlwaldstadion ist Geschichte. Nun immer wieder erklären zu müssen, dass man in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Oberwürzbach doch weiter besteht, wird wohl die neue Tradition beim Sportverein.