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Kolumne von manfred Schetting zu Christina Wieth

Kolumne für St. Ingbert : Mancher Wechsel kommt erwartet

Während Schülerinnen und Schüler ein Vorbild in Sachen Wahlen abgeben, löst der Fraktionswechsel einer Kommunalpolitikerin eher Achselzucken als Aufregung aus.    

Ein positives Zeichen ging in dieser Woche von der Juniorwahl am Leibniz-Gymnasium aus, bei der Schülerinnen und Schüler erleben, wie eine Wahl abläuft. Die Begeisterung der Jugendlichen für Demokratie und Wahlfreiheit könnten dem einen oder anderen offiziell Wahlberechtigten ein Vorbild sein, bei der Bundestagswahl mitzubestimmen, statt seine Stimme durch Nichtwahl zu verschenken.

In dieser Woche ist unterdessen eine Korrektur an der Kommunalwahl erfolgt. Noch immer muss man jedem, der sich erstmals in der Kommunalpolitik in St. Ingbert zurechtfinden will, zunächst einmal erklären, warum es so viele Parteien und Gruppierungen im Stadtrat gibt. Die Erläuterung eines Namens und seine Historie kann man sich jetzt schenken, nachdem Christina Wieth in dieser Woche ihren Wechsel von der Bürgerliste „Wir für St. Ingbert“ zur CDU-Fraktion bekannt gemacht hat. Dass sich der Bürgerverein „Wir für St. Ingbert“, der immerhin zweimal Sitz und Stimme im Stadtrat erhalten hat, schon Ende letzten Jahres heimlich, still und leise aufgelöst hat, ist eigentlich konsequent. Schon vor der einvernehmlichen Auflösung war die Gruppierung mangels eigener Akzente zusehends in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Und letztlich ist der Schritt auch ein Schlussstrich unter die Zeiten, als Pro und Kontra Georg Jung oder Hans Wagner noch kommunalpolitisches Kapital hergaben.

Auch der Wechsel von Christina Wieth in die CDU-Fraktion kann niemanden wirklich überraschen. Ihr Abstimmungsverhalten im St. Ingberter Stadtrat und nicht zuletzt ihre Berufung durch Oberbürgermeister Ulli Meyer als ehrenamtlich Beauftragte für Soziales und Integration hatten sie längst zum gefühlten Bestandteil der Koalition gemacht. Ob sie allerdings mit ihren angekündigten Wechsel auch gleich ein Loblied auf den CDU-Wahlkreis-Kandidaten anstimmen musste, ist Geschmackssache. Vielleicht verschafft sich Christina Wieth so in der neuen politischen Heimat den nötigen Stallgeruch. Ansonsten kann ihr Werben um ein tolerantes Miteinander in der Stadt aber keiner Fraktion schaden.