Kolumne Unsere Woche : Brunhilde hat einen Vertrag und ist systemrelevant

Ein Auto kann man leasen, ein Haus kann man kaufen. Und ein Huhn? Man kann es mieten. Ja, das geht. Auf dem Biolandhof Wack in Ommersheim. Da steht es nun auf seinen kurzen Beinchen, zusammen mit vielen anderen seiner Kolleginnen und ein paar aufmerksamen Hähnen, die soeben mal abgemeldet sind.

Das ist Brunhilde. Foto: Peter Gaschott

Denn es geht um ein holdes Weib: Brunhilde. So haben wir unser nützliches wie hübsches Exemplar getauft. „Sie ist vor allem in diesen (elend sich dahinziehenden) Zeiten systemrelevant, also unverzichtbar. Sie hat nämlich einen festen Platz in der Nahrungsmittel-Produktion. Und nun einen Vertrag“, sagt der Fotograf, der das Porträtbild von dem Tierchen fertigte. Das Federvieh liefert jetzt ganz system(relevant)atisch Eier – für ihre Mieterin. Wir haben einen Vertrag unterzeichnet. In dem wir uns verpflichten, Brunhildes ovale Produkte über die nächsten Monate zu erwerben. 30 Eier in 30 Tagen? „Schaff ich locker“, schien das Tier bei näheren Betrachten zu gackern. „Miet Dir ein Huhn“, so lautet die Losung auf dem Eichelberger Hof. Man kann unter verschiedenen Eier-Abos aus Bioland-Freilandhaltung mit Mobilstall wählen. Abholen kann man die Eier im Hofladen und im „Milich Heisje“ ebenda sowie auch im „Milich Heisje“ bei der Gärtnerei Zeller in Niederwürzbach. Ab einer Abo-Laufzeit von sechs Monaten ist ein Suppenhuhn im Preis enthalten. Aber so weit wollen wir noch gar nicht denken. Schon gar nicht wollen wir dran denken, dass es unsere Brunhilde eines Tages trifft. Dass der Hühnerhabicht angesegelt kommt und sprichwörtlich erntet, was er nicht gesät hat. Noch etwas am Rande: Zurzeit ist der Run auf die Eier ungeheuer. Sogar Städter sollen schon in Ommersheim gesichtet worden sein. Ob die daheim mehr Auslauf haben als das Federvieh? Da lachen ja (vielleicht) die Hühner.