Kolumne Unsere Woche über Familienhilfezentrum in St. Ingbert

Familienhilfezentrum : Zumindest schneller als Berlin

Nationale Berühmtheit wie der Pannen-Flughafen BER in der Bundeshauptstadt wird das Familienhilfezentrum in der Spitalstraße wohl nicht erlangen. Auch wenn Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gerne der Einweihung beiwohnen möchte, wie sie im Dezember vergangenen Jahres Vertretern des Saarpfalz-Kreises auf einem Kongress in Berlin mitteilte.

Von den Unsummen, die der Bau des Flughafens bisher verschlungen hat, kann in St. Ingbert natürlich keine Rede sein. Lässt man die Geschichte des Familienzentrums allerdings Revue passieren, fragt man sich dennoch, ob nicht der ein oder andere Euro an Steuergeldern vergeudet wurde.

Über fünf Jahre suchten Kreis und Stadt nach einem geeigneten Standort. Dass die Tischtennishalle überhaupt in Betracht gezogen wurde, ist angesichts der baulichen Substanz und Statik ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist und bleibt eine Sporthalle. Um dort Büros, Schulungs- und Therapieräume sowie eine Nachmittagsbetreuung für Kinder einzurichten, wäre ein Abriss und kein Umbau notwendig gewesen. Neu zu bauen ist ja sowieso viel günstiger, sagte 2012 der damalige Landrat Clemens Lindemann. Oder ist es doch umgekehrt, wie die Kreisverwaltung zwei Jahre später plötzlich der St. Ingberter Stadtverwaltung mitgeteilt hat?

Die Sprunghaftigkeit der Verantwortlichen zeigt sich auch daran, dass so ziemlich jedes leerstehende Gebäude und jedes nicht bebaute Fleckchen zur Debatte stand. Zugegeben, es ist lobenswert, dass alle Möglichkeiten genauer unter die Lupe genommen wurden. Ob Baumwollspinnerei, das Gebäude und später das zentral gelegene Gelände der ehemaligen Westpfälzischen Druckerei (WVD), die frühere Pfarrgass-Schule oder der Gesundheitspark am Kreiskrankenhaus. Für jeden Platz hat zumindest ein grober Entwurf für Bebauung oder Umbau angefertigt werden müssen. Unklar, ob das geschehen ist. Und wenn doch, was hat das eigentlich gekostet? Einen konkreteren Bebauungsplanentwurf gab es für das Gelände der WVD, für den die Verantwortlichen definitiv etwas berappen mussten.

Das Familienzentrum im ehemaligen Arbeitsamt unterzubringen, war wohl wirtschaftlich gesehen die beste Entscheidung – auch wenn sich die Fertigstellung immer wieder verschoben hat. Welche Summe für Ankauf und (verzögerten) Umbau zusammengekommen ist, teilt die Kreisverwaltung nicht mit. Auch ist nicht bekannt, wie hoch die Mieten für die künftig dort untergebrachten Organisationen sind. Vielleicht wird die Verwaltung bei der offiziellen Einweihung mit Franziska Giffey Auskunft darüber geben. Schneller und günstiger als der BER wurde das Zentrum allemal fertig. Möglich, dass die Bundesfamilienministerin die „St. Ingberter Art“ mit zurück nach Berlin nimmt und das Zentrum so doch noch über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt macht.