Kolumne Unsere Woche St. Ingbert : Eine Fubbes-Fete in fiesen Zeiten

Sich gruseln am Reformationstag: das heißt dann neuerdings Halloween. Auch ohne diesen amerikanischen Kokolores kann man sich fürchten – in einer Zeit, in der das öffentliche Leben in weiten Teilen auf Eis gelegt ist. Gruselig genug, oder?

Knapp eine Woche leben wir jetzt schon wieder mit der Winterzeit, das Gejammer über die Zeitumstellung und ihre irrwitzigen Auswirkungen auf Körper und Psyche hielt sich diesmal in Grenzen. Wen verwundert’s, haben wir doch jetzt ein paar andere Probleme. Die kann man aber wegdrücken. Indem man sich Halloween zuwendet. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber für mich gehört dieser Grusel-Fubbes US-amerikanischer Ausprägung in die Müllverbrennungsanlage. Ein Tanz um den Kürbis – und das am Reformationstag. Die Halloweenartikel-Hersteller übertrumpfen sich gegenseitig mit ihrem Kalaumes. Den lieben Kleinen kann man etwa einen „Glow in the dark“-Pyjama kaufen. Da glühen oder leuchten in der Dunkelheit auf der Vorderseite des fragwürdigen Textils die Rippenbögen eines stilisierten Skeletts. Sehr geschmackvoll. Oder man stellt einen Grusel-Burger her. Der hat als Krönung zwei unappetitliche Fruchtgummi-Glubschaugen.

Von Tür zu Tür gehen und betteln – „Süßes oder Saures“ – können die lieben Kleinen auch noch. Wobei man dazu sagen muss, dass sich dieses Bitten um kleine Gaben doch erheblich von dem unterscheidet, was wir uns als Kinder geleistet haben. Wir haben das Betteln noch professionell betrieben, jawoll. Sind von Haustür zu Haustür gezogen und hatten, gesanglich-gruselig untermalt, ein und denselben Spruch auf Lager: „Bin e klääna Keenisch, geb‘ mal net zu weenisch.“ Völlig egal, ob das unseren Eltern hochnotpeinlich war. Die Nummer wurde durchgezogen, kaum jemand im Wohngebiet blieb verschont. Das war an der Faasenacht, Halloween gab es halt noch nicht. Apropos Faasenacht: Gerade kommt auch noch die herbe Mitteilung um die Ecke, dass es in Blieskastel nun doch keine Sessionseröffnung geben wird. Im Übrigen, so Elmar Becker, Ehrenpräsident der Blieskasteler Karnevalsgesellschaft, sei ja auch der Trainingsbetrieb für die 90 Gardemädchen hinfällig. Ob denn eine Online-Prunksitzung stattfinden wird? Das weiß auch noch niemand.

Sportstätten dicht, Wirtshäuser dicht, alles dicht. Nur der Wald ist noch nicht zugesperrt. Wem das jetzige Leben noch nicht gruselig genug ist, der darf gerne Halloween feiern: die Fubbes-Fete in fiesen Zeiten.