Kolumne : Es hat sich ausgeschnerrt

Der Kopf kommt schwerlich noch zum Stillstand. Was da drin momentan herumläuft – nicht zu fassen. Und alles dreht sich um das C-Wort. Es hat sich eingenistet wie ein ungebetener Gast.

Ein Gast, der nur eben mal vorbeikommen wollte und dann in der Wohnung über Wochen eine Duftmarke nach der anderen setzt.

Die Zeiten haben sich wahrlich geändert. Vom Schwätzje vis à vis zur Telefonie. „Unn, sinna noch munda?“. So oder ähnlich beginnen die Gespräche am Telefon. Ein Freund im Krankenhaus (ohne C) ist glücklicherweise auf dem Weg der Besserung, langweilt sich aber ungeheuer. Und jammert. Eine Freundin in Frankreich, wenige Meter hinter Spicheren, hingegen atmet auf. Vor den C-Zeiten ständig uff da Schnerr genießt sie die Zeit im Eigenheim. Genießt die Stunden ohne die vielen Termine, die sie sich teils selber aufgehalst hat. Es hat sich soeben ausgeschnerrt. Nicht sehen darf man derzeit den ein oder anderen Menschen, der einem wirklich sehr nahe steht. Man teilt auf elektronischem Weg die Hoffnung, dass alles auch mal ein Ende hat.

Sehr schade, dass man dem Lieblingsnachbar diese Woche nicht persönlich zum 85. Geburtstag gratulieren konnte, es blieb bei fernmündlich besten Grüßen aus nächster Nähe. Und dem Versprechen, die Feierlichkeiten nachzuholen. Man ruft ein paar Sangesbrüder und -schwestern an – in der Gewissheit, bei unserer nächsten Zusammenkunft über neue Chorliteratur zu diskutieren. „Oh, happy day“ könnten wir doch intonieren, wenn das alles mit dem C vorbei ist. Kollektiv und vierstimmig eine neue Fröhlichkeit ausleben, das wär’s.

Und was man nicht alles macht, wenn man vor leeren Stunden steht, sagenhaft. Mit mehrmaligem Anlauf geht es just in den Keller, der Handarbeit so dringend nötig hat. In Wasch- und Trockenraum haben Spinnen ihre Behausungen zurückgelassen, weiche graue Fäden ziehen sich über Wände und Fenster. Und gelegentlich entdeckt man da ein ehemals krabbelndes Getier, das den Winter nicht überstanden hat. Bääääh.

Wiederentdeckt wird auch die Lust am Kochen. Wobei sich unsinnige Gedanken am besten mit Schnippeln vertreiben lassen. Viel schnippeln, damit die Zeit vergeht. Und was wollen wir alle alles machen, wenn der Tag nach C anbricht? Bestimmt die dicke Flasche mit dem teuren Bitzelwässerchen entkorken. Meinem Friseur werde ich heute noch eine E-Mail schicken. Mit der Bitte, mir den ersten Termin nach Wiedereröffnung zu reservieren.