Kolumne Unsere Woche St. Ingbert : Miss Verständnis uff da Schnerr

Es ist nicht nötig, jemanden mit einer Waffe zu töten, man kann ihn auch durch heftiges Umarmen ersticken. Diesen hintersinnigen Spruch hat mit Augenzwinkern ein guter Freund ganz trocken von sich gegeben, als wir uns unterhielten über atemberaubende Nettigkeiten und ihre Wirkung.

Ungeahnt nett beispielsweise war am Dienstagabend der neue Oberbürgermeister von St. Ingbert beim Neujahrempfang in der Stadthalle. Ulli Meyer dankte da vor 900 Gästen seinen Vorgängern im Amt: Winfried Brandenburg, Georg Jung und Hans Wagner. Jetzt tummele ich mich ja schon seit mehr als drei Jahrzehnten auf Neujahrsempfängen, das aber habe ich noch nicht erlebt.

Noch nicht erlebt hat unsere Region auch einen Neujahrsempfang, wie ihn Meyers Amtskollege und Parteifreund Uwe Conradt in der Landeshauptstadt hingelegt hat. Sage und schreibe 2700 Menschen drängten ins E-Werk auf den Saarterrassen, man hätte der Industriekathedrale einen gewaltigen Anbau gewünscht. Vorteil bei der Sache: Es fror niemand, man wärmte sich sozusagen gegenseitig. Neujahrsempfang war diese Woche auch bei Neu-Bürgermeisterin Maria Vermeulen in Mandelbachtal. Da ging es gemütlich, ja fast familiär zu. Und wieder durfte man viele nette Leute treffen oder kennenlernen. Der Erstickungstod durch heftiges Umarmen blieb aber aus, sonst würde ja an dieser Stelle jemand anderes schreiben.

Neuanfänge mit Aufbruchstimmung – man kann sie mehr oder weniger spüren: neuer OB in St. Ingbert, neue Frau auf dem Rathaus-Chefsessel in Ormesheim, neue Bürgermeister in Blieskastel und Gersheim. Sie dürfen jetzt zeigen, was sie auf der Pfanne haben.

Derweil entfernt das närrische Volk das Mottenpapier aus seinen Kostümen, aus Elferratskappen und lustigen Hütchen. Und was zieht man an um aufzufallen? Eine Freundin hatte da den goldenen Tipp: Wenn ich schon nicht Miss Germany oder Miss World sein kann, so doch ein(e) „Miss Geschick“ oder ein(e) „Miss Verständnis“. Eine breite Schärpe quer über den Körper mit einem solchen Aufdruck und ein Krönchen auf dem Kopf – das macht doch ordentlich was daher. Merke: Auch im fortgeschrittenen Alter hält sich hartnäckig die Albernheit.