Kolumne Unsere Woche in St. Ingbert : Nager - in gut genährtem Zustand

Es ist eigentlich ganz einfach: Ratten hält man sich vom Leib, indem man sie vergrätzt. Und indem Städte und Gemeinden diejenigen Leute konsequent und mit hohen Bußgeldern zur Kasse bitten, die die Tiere auch noch anlocken.

Aufreger der Woche waren unter Umständen bei dem ein oder anderen St. Ingberter die Ratten, die sich auf dem ehemaligen Gelände der Westpfälzischen Verlagsdruckerei tummeln. Es gab eine Ortsbegehung mit den hinlänglich bekannten Erkenntnissen: Dass Ratten selbstredend dahin gehen, wo ihnen ein geeigneter Nistplatz und vor allem das ein oder andere Leckerli winkt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wo kein Abfall, da auch keine Ratte, die einem vor die Füße läuft. Es ist fast wie dehemm: Wenn der Nachwuchs nichts Manierliches im Kühlschrank findet, geht er zur Oma. Weil dort in kulinarischer Hinsicht paradiesische Zustände herrschen.

Diese Woche hatten wir ein Gespräch mit einem erfahrenen Schädlingsbekämpfer. Der Mann hat schon oft ganze Arbeit geleistet, weil er versteht, wie die Nager ticken. Er, der gerade in der Metzer Straße in Saarbrücken und auch in der Josefstaler Straße in St. Ingbert mit seinem Equipement unterwegs war, führt unter anderem das falsche Befüllen von gelben Säcken als Ursache für Rattenplagen ins Feld. Er plädiert für scharfe Kontrollen und empfindliches Bußgeld, wenn in den Beuteln vor der Haustür noch Essensreste zu finden sind. Populationen, so sagt er, finde man auch immer wieder in den Gärten von Leuten, die meinen, einen Komposthaufen zu besitzen, dort aber alles Mögliche abladen, was in die Restmülltonne gehört. Und dann gebe es auch noch diejenigen Leute, die meinen, die Vogelfütterung in der warmen Jahreszeit fortsetzen zu müssen. Auf solchen Grundstücken könnte man auch Ratten besichtigen – „im gut genährten Zustand“.

Noch ein interessanter Aspekt am Rande: Heutzutage arbeiten Schädlingsbekämpfer mit kinder- und haustiersicheren Köderstationen. Der schmackhafte Giftköder in diesen Boxen bringt die Ratten erst Tage später um. So können ihre „Leute“ nicht wissen, wo genau die tödliche Gefahr lauert und ihr aus dem Wege gehen. Beruhigend zu wissen, dass die Intelligenz dieser Tiere noch immer hinter der des Menschen rangiert.