Kolumne: Unsere Woche in St. Ingbert über Straßenmusiker

Kolumne: Unsere Woche : Ohrenstöpsel gegen den Sommerlärm

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Es zeichnet sich ab. Zumindest der Frühling hält Einzug in St. Ingbert. Die Sonne scheint und Wirte bauen ihre Terassenbestuhlung auf. Es könnte so schön sein!

Gäbe es da nicht ein alljährlich wiederkehrendes Übel: Straßenmusiker. Man möchte stellenweise von einem Anschlag auf die Gehörgänge sprechen, von akustischer Kriegsführung gegen all diejenigen, die sich auf der Sonnenterrasse entspannen wollen. Dabei haben die Entspannungswilligen immerhin noch die Wahl, wo sie sich denn aufhalten möchten. Diese Fluchtmöglichkeit ist aber nicht jedem vergönnt, leider. Hat man nun sein Büro oder sein Geschäft in unmittelbarer Nähe der „Girl-from-Ipanema“-Verunstalter – im Original von 1962 ein wirklich schönes Jazzstück – ist ein Entkommen völlig unmöglich.

Auch Fenster schließen hilft nicht. Zu laut schalmeit das Quäken der gequälten Ziehharmonika und das Quietschen der hoffnungslos verstimmten Geige durch die Frühlingsluft und durchschneidet Fenster, Wände und Gehörgänge. Man erzählt sich in der Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung in St. Ingbert noch heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge von einer Kollegin, die, trotz hochsommerlicher Temperaturen, bei geschlossenem Fenster und mit Kopfhörern vor ihrem Bildschirm saß und der Verzweiflung genauso nahe war, wie dem Sprung durch besagtes geschlossenes Fenster, ob der unausweichlichen Dauerbeschallung.

Dabei trüge eine vernünftige Straßenmusiker-Szene ja durchaus zu einem belebten, einem abwechslungsreichen Stadtbild bei. Dafür müssten aber mehr als nur ein paar verschieden Künstler vorhanden sein. Und die sollten über ein Repertoire verfügen, das mehr als die immer gleichen drei Songs umfasst, die dann – unglaublich, aber wahr – trotz fünfstündiger Dauerschleife jedes Mal falsch gespielt werden. Und zwar immer an einer anderen Stelle im Lied! Wie geht das denn? Einziger Lichtblick ist ein bärtiger Mann mit Gitarre, der sowohl seine Instrument wie auch seine Stimme beherrscht, und dazu noch die Freundlichkeit besitzt, seine Bühne ab und an woanders hin zu verlegen.

Zwar gibt es für die Spieldauer von Straßenmusikern ebenso geltende Regeln wie auch für den Einsatz von Verstärkern, die werden in der Praxis jedoch meist sträflich ignoriert. Stadtpressesprecher Peter Gaschott sagte dereinst: „Ein Sommer ohne Straßenmusiker ist kein Sommer.“ Das kann man so sehen. Wenn dieses sommerliche Erlebnis aber zu einem Aufenthalt in der Nervenheilanstalt führt, verzichte ich liebend gern darauf. Wann wird’s jetzt nochmal gleich Sommer? Hoffentlich gar nicht!

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