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Kolumne Unsere Woche für St. Ingbert

Kolumne Unsere Woche für St. Ingbert : St. Ingberts Pilze lassen die Pole nicht schmelzen

Zum Ende dieser Woche waren es 20 Grad in der Nachmittagszeit. Ein schöner Sommer-Nachschlag, bevor es wieder widerlich wird. Eine dicke Fliege mit sonorem Gebrumm fand sich da rasch in den Büroräumen ein.

Und eine Etage tiefer, vis à vis in der Fußgängerzone, klapperten die Kaffeetassen. Seit wenigen Tagen machen schon Weihnachtswitze die Runde. Da geht es in Zeiten eines arg sich verbreitenden Keimchens unter anderem um ein Beherbergungsverbot in Bethlehem. Mit allen Konsequenzen fürs Jesuskind plus Anhang. Nix Stall. Und nix mit Weihrauch, Gold und Myrrhe. Stattdessen bringen die Heiligen drei Könige Desinfektionsmittel, Gesichtslappen und Plexiglasscheiben vorbei.

Und während man sich gerade in diesen herbstlichen Tagen noch latzt, indem man sich den Kälteprodukten vom Eismännje nähert, ist schon die Heizpilz-Diskussion im Gang. In Saarbrücken, in der Landeshauptstadt, in der man gerade überhaupt keine Probleme hat, außer dass dort gerade ein atemberaubender Streit zwischen noch zu krönendem Stadion-Messias (Hosianna!) und St. Ingberter Bauunternehmen tobt – ja, in dieser Stadt sind die Heizpilze verboten. Das war der Jamaika-Koalition ganz, ganz wichtig. Man muss halt Prioritäten setzen. Auch in Zeiten, in denen so vieles ab- und auszusterben droht. Und in denen dieses Jahr schon genug Ungemach unterwegs war – vor allem für die Gastronomen. Die dürfen in St. Ingbert ihre Heizpilze in Betrieb nehmen und auch Pavillons vor ihren Gasthäusern aufstellen. Erklärter Wille der Rathaus-Verwaltung ist es, alle Maßnahmen zu unterstützen, die den Wirten und Händlern helfen, wenn sie denn mit dem Gesundheitsschutz konform sind. Eine gute Einstellung in den herannahenden kalten Zeiten. Und eines darf man heute schon konstatieren: dass sich das Weltklima wegen der St. Ingberter Pilze nicht um ein weiteres Grad erhöht und die Polkappen schmelzen.

Und wenn wir schon mal beim Thema Wetter sind: Früher trug, weil es da noch echt knackige Winter hatte – ja, liebe Kinder, da fuhr man sogar wochenlang Schlitten auf einem weißen Untergrund – früher, wie gesagt, ja da trug die Dame von Welt selbst in Kaltnaggisch und Krettnich gerne Pelz. Sie trug ihn und gerne auch zur Schau, versehen mit der Überschrift „Gugge mool, was mir uns leischde könne.“ Nerz, Persianer, es wurden viele Tiere in den Wirtschaftswunderjahren nackt. Heute müsste man beim Tragen der edlen Felle mit Farbbeutel-Attacken von Aktivisten rechnen. Und noch etwas war in meiner Kindheit üblich: dass man die Fenster aufgerissen hat, wenn die Heizkörper zu warm wurden. Weil das Heizöl so preiswert war. Und heute? Diskutiert man über Heizpilze, die manchem Wirt das Überleben sichern könnten.

Wie gesagt, in St. Ingbert nicht.