Kolumne für St. Ingbert : Dominosteine und Lebkuchen liegen auf der Lauer

Weihnachtsmärkte wird es dieses Jahr nicht geben, das ist schon mal geklärt. Denn außer dem Christkind und seiner Entourage ist niemand immun gegen lautlose, unsichtbare Angreifer. Also feiern wir ausnahmsweise virtuell.

Mit Videobotschaften, mit herbeigedachtem Tannen- und Glühweinduft. Was wiederum nicht die schlechteste Lösung ist, wenn man ans Gebäck denkt. Rumkugeln, Vanillekipferl und all die anderen Leckereien, die man nur betrachtet und nicht verspeist – Mensch, da freut sich die Figur.

Verzicht macht aber vielen keine Freude. Und so hat der Jugend- und Kulturverein Lautzkirchen – um den leider gestrichenen Weihnachtsmarkt ein wenig vergessen zu machen – einen besonderen Service angekündigt, getreu der Devise: Wenn die Kunden nicht zu den Plätzchen kommen, dann kommen die Plätzchen eben zu den Kunden. Man kann in der Zimtwaffel-Bäckerei des Vereins bestellen und kriegt die leckeren Kekse nach Hause geliefert. Man muss sich und vor allem anderen Leuten nur zu helfen wissen.

Diese Woche kam, wie jedes Jahr, ein rundhum süßer Gruß aus Nürnberg. Sie wissen schon, da liegen zuhauf die Lebkuchen auf der Lauer. Als wir noch Kinder waren, haben unsere Eltern stets die große Truhe vom Hersteller Schmidt mit allen möglichen Lebkuchen bestellt. Doch zu unserem Verdruss war immer nur eine Schachtel mit Dominosteinen dabei. Und weil ich einen Bruder hatte, musste ich wie ein Braunbär um sie kämpfen. Was hab’ ich damals die Einzelkinder beneidet! Die konnten den ganzen Tag über raffgierig sein, ohne dass sich jemand dran störte. Sie brauchten nie zu teilen, konnten alles allein und hemmungslos in sich reinstopfen. Paradiesische Zustände. Was aber keiner von uns Kindern aus Nürnberg wollte, das waren die ledrig aussehenden Lebkuchen ohne Schokolade. Nun gut, in den warmen Kakao getunkt, waren sie dann doch recht genießbar.

Ich weiß zwar nicht mehr, ob ich alljährlich die Dominosteine-Verteidigungslinie gehalten habe (man verkloppte sich auch gern mal in der Adventszeit), jedenfalls erinnere ich mich noch sehr genau daran, dass ich die eroberten Stücke fein säuberlich sezierte und andächtig verspeiste: Erst der Marzipan, dann das Gelee und zum Schluss der Lebkuchen. Ein Gedicht! Kalorienzählen kam später. Man wollte und will ja nicht unbedingt rumkugeln...