Kolumne für St. Ingbert Der Notnagel ist endlich wieder gerade

Der Umbau der Schillerschule ist gut gelungen. Umso rätselhafter bleibt die Zurückhaltung, die ihn begleitet hat.

Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

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Foto: Robby Lorenz

Als 2008 die Zahl der Grundschulstandorte in St. Ingbert reduziert wurde, traf die Schließung auch die Schillerschule. Das Gebäude schien seine beste Zeit nun offensichtlich hinter sich zu haben. Doch ausgedient hatte es nicht. Im Gegenteil war es fortan eine Allzweckwaffe mit Dach, Fenstern und Türen im Fundus und im Dienst der Stadt. Mal kurzfristig, mal mittelfristig, mal ganz oder mal nur ein bisschen blieb die Schule ohne Schüler ein beliebter immobiler Notnagel. Und als solcher musste die Schillerschule vor allem 2016 als eines der ersten und größten Notquartiere für Flüchtlinge in der Mittelstadt aushelfen. Als diese Funktion nicht mehr erforderlich war, zeigte sich aber, um im Bild zu bleiben, dass sich der Notnagel verbogen hatte und ohne Aufwand nie wieder gerade würde.

In solch einer Situation mussten doch alle froh sein, als sich spätestens vor zwei Jahren abzeichnete, dass die Schillerschule keine Bauruine bleiben muss, sondern dass hier jene Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden können, für die am benachbarten Leibniz-Gymnasium zunehmend der Platz fehlte. Als sich dann auch noch ein Investor fand, der den Umzug der Leibniz-Schüler in die grundsanierte ehemalige Grundschule in einem engen Zeitfenster realisieren konnte, musste der Saarpfalz-Kreis als Träger doch vor Freude platzen. Doch im Gegenteil blieb das Landratsamt vor dem Umbau, aber auch zum Ende der konkreten Arbeiten an der Schillerschule sehr schmallippig.

Dass Frederic Lafontaine nicht groß erklären wollte, wie viel Geld er wofür und warum investieren will und kann, ist für Journalisten und die Leser unserer Zeitung schade, aber eher normal. Dass sich aber der Kreis gerade in St. Ingbert lieber zurückhielt, als seine Pläne aus der Platznot seiner Schule klar und offen darzustellen, nährte den Verdacht, dass irgendwas bei der Schillerschule geheim bleiben musste. Wer die fertige Schillerschule aber jetzt sehen kann, versteht diese Zurückhaltung noch weniger. Der Umbau ist gelungen, uneingeschränkt vorzeigbar und ein Beispiel, wie ein Umbau gelingen kann, wenn das flott geschehen muss.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch die überraschendste Entdeckung, die beim Baustellenrundgang zu machen war. Eine Fassade der Schillerschule hat vier Nistplätze für Fledermäuse und vier Nistplätze für Mauersegler. Da hat der Investor ganz bestimmt nicht nur ans Geld gedacht.