Kolumne: Damit der Wandel nicht still steht, müssen wir entschleunigen!

Kolumne Unsere Woche : Entschleunigen, damit der Wandel nicht still steht

Zeit ist Geld, alle wollen mehr. Die ganze Welt rennt ihr hinterher. Diese Songzeilen einer ehemaligen Heidelberger Band kommen einem zwangsläufig in den Sinn, wenn man sieht, wie rasant das neue Jahr gestartet ist.

Erst rund zwei Wochen alt, bietet das Jahr 2020 schon genug Stoff, an dem sich die Geister wohl noch das ganze restliche Jahr scheiden oder aufregen werden. Ob das „Oma-Gate“ beim WDR, die viel kritisierte (Falsch-)Informationspolitik der sächsischen Polizei zu den Geschehnissen der Silvesternacht im Leipziger Stadtteil Connewitz, oder die viel diskutierte Bon-Pflicht, die seit diesem Jahr gilt. An diesen Themen kam man auch bei uns in der Region nicht vorbei.

Scheiden tun sich die Geister offenbar auch beim geplanten neuen abat+-Firmengebäude am Beckerturm. Nicht unbedingt darum, ob es überhaupt gebaut werden soll. Darin sind sich alle Beteiligten größtenteils einig. Streit gibt es jedoch um die Dimensionen des Gebäudes und wie schnell die Bauarbeiten beginnen sollen. Während die abat+-Geschäftsführung und der neue Oberbürgermeister – der verständlicherweise erste Erfolge vorzeigen möchte – das Projekt so rasch wie möglich vorantreiben wollen, fühlen sich die betroffenen Anwohner zu spät informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt. Auf einen gemeinsamen Konsens scheint man sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam zuzubewegen.

Breiter Konsens besteht im Stadtrat dagegen, dass St. Ingbert ein Standort für zukunftsfähige Branchen, wie etwa der IT werden muss. Die Zeiten von Kohle und Stahl sind vorbei. Ob dies nun geschehen sollte, um längerfristig konkurrenzfähig zu bleiben, oder schlicht für das Allgemeinwohl ist dabei zweitrangig. Dass man als einzelner Bürger deswegen auch mal zurückstecken muss, ist eine vielleicht nicht schöne, aber genauso nicht von der Hand zu weisende Tatsache. Gleichzeitig sollte man den Wandel jedoch nicht zu schnell und einseitig vorantreiben, damit sich der Gegenüber nicht als „Kollateralschaden“ für das Allgemeinwohl versteht. Denn im Zweifel führen verhärtete Fronten dazu, dass der für die Stadt so notwendige Wandel einzufrieren droht. Etwas Entschleunigung könnte helfen, diesen Balanceakt zu meistern.