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Kolume von Michele Hartmann für St. Ingbert

Kolumne für St. Ingbert : Die pure Glückseligkeit aus dem Automaten

In ihrer Kolumne erinnert sich unsere Redakteurin dieses Mal an ihre Kindheit und die Freude, wenn aus dem Kaugummi-Automaten auch mal eine Überraschung herausfiel.

Kopf hoch und nicht missmutig in die Zukunft blicken. Hei, das fällt schwer. Sind doch Januar und Februar stets das Füllhorn der Festitiväten gewesen. Gewesen. Man könnte auswachsen. Kein Fastnachtsverein läuft sich mit seinen Prunksitzungen warm, keine Generalversammlungen finden statt. Und das Schlimmste überhaupt für Leute, die umtriebig und als Feierbiester bekannt sind: Es gibt keinen einzigen Neujahrsempfang. Nicht in St. Ingbert, nicht in Blies- und Mandelbachtal, nicht in der Landeshauptstadt – im ganzen Saarland nicht. Und was hat man da alles erfahren beim „Ach, ich hann Sie/Dich joo schunn ewisch nimmeh gesiehn!“-Kontakt. Fällt alles flach. Derweil hängen im Schrank die festlichen Fummel. Und jetzt? Banale Jeans statt Glitzer-Jubbe, flache Schuhe mit Fußbett statt High Heels, oh leck. Überhaupt ist man unsichtbar geworden hinterm medizinisch wertvollen „Gesichtsschleier“. Was wiederum die Lust lähmt, sich rauszuputzen wie ein Pfingstochse. Man nimmt ja auch nicht das Kleine Schwarze aus dem Schrank, um im Keller die Wäsche aufzuhängen.

Mal was anderes: Ein Leser aus Blieskastel hat uns aktuelle Fotos von Kaugummi-Automaten zugeschickt. Die sind auch ziemlich aus der Mode gekommen. Als wir Kinder waren, kam man an den Süßigkeiten-Spendern nicht vorbei. Und bei jedem 10-Pfennig-Stück, das wir einwarfen (und das waren nicht wenige) hofften wir, dass zur Gummikugel noch ein Schmuckstück mit aus dem Schacht fällt. Welche Glück-
seligkeit, wenn man einen gülden glänzenden Ring in Händen hielt! Trompetenblech sagten dazu abfällig die Erwachsenen, was allerdings die Freude über den Erwerb des Prunkstücks nicht schmälern konnte. Das Kaugummi war unverpackt, was heutzutage bei jungen Eltern das blanke Entsetzen nach sich ziehen würde. Unverpackt? Ja ist denn das zu fassen? Wo bleibt da die Hygiene? Nun ja, man kann so etwas überleben, jedenfalls sind mir keine kindlichen Todesopfer bekannt, die sich die nicht sterilen Kugeln in den Mund geschoben haben.

Gibt es auch noch: den Kaugummi-Automaten. Dieser hier hängt in Lautzkirchen. Foto: privat

Noch was anderes: In St. Ingbert gibt es immer noch die Gelben Säcke, allerdings in jetzt etwas reißfesterer Version. Wir in der Landeshauptstadt haben nun Gelbe Tonnen. Bin mal gespannt, wann sich die ersten Krähen zusammenrotten, um das Ding gemeinsam umzuschmeißen. Ihr Sackaufpick-Hobby hat sich ja nun erledigt.